Bei der WM in Istanbul gingen sie sang- und klanglos unter. Nur Frank Stäbler, der bei den Griechisch-Römisch-Spezialisten in der Klasse bis 66 Kilogramm Fünfter wurde, sicherte einen Quotenplatz für London 2012.
Auch am Abschlusstag setzte sich die Niederlagenserie der Deutschen fort, die bei der Gegnerschaft schon als "Lieblingslose" verspottet wurden. Auch die letzten drei Starter mussten sich frühzeitig verabschieden. Andriy Shyyka startete im Limit bis 74 Kilogramm zwar mit Siegen gegen den Briten Philip Roberts und den Kanadier Matthew Gentry, doch im Achtelfinale verlor er gegen Raschid Kurbanow und schied aus, da der Usbeke nicht ins Finale kam.
Saba Bolaghi von der RWG Mömbris-Königshofen, der EM-Dritte von Dortmund, kam in der Kategorie bis 66 Kilogramm zum Auftaktsieg gegen Quintino Intipe (Guinea-Bissau), zog eine Runde später aber gegen den Usbeken Ichtijor Nawruzow ebenfalls den Kürzeren. Nick Matuhin (120 kg/1. Luckenwalder SC) scheiterte in Runde eins gegen den EM-Zweiten von Dortmund, Alexej Schemarow aus Weißrussland. Weil dieser ins Finale kam, durfte Matuhin nochmals gegen den türkischen Europameister Fatih Cakiroglu ran. Doch dieser packte nach gewonnener erster Runde im zweiten Durchgang richtig zu und schulterte Matuhin.
"20 internationale Medaillen im Nachwuchs - bei den Männern und Frauen sind wir dagegen froh, wenn mal einer ins Viertelfinale kommt, wir schaffen einfach den Übergang von den Junioren in den Männer- und Frauenbereich nicht", monierte Verbandspräsident Manfred Werner am Sonntag. Damit wird die Klausurtagung der Bundestrainer in der kommenden Woche zum Krisengipfel. Denn nach vier Jahren ohne WM-Medaillen müssten nun endlich Taten folgen, forderte Werner.
Zuletzt holte Stephanie Groß 2007 WM-Silber. Bei den Männern gewann Konstantin Schneider 2005 die letzte Medaille bei den Griechisch-Römisch-Spezialisten. Bei den Freistilringern war es 1999 der heutige Bundestrainer Alexander Leipold.
Parallel zur WM lief auch die Bewerbungsfrist für die Stelle des neuen Sportdirektors aus. "Wenn wir wieder in Deutschland sind, werden wir die Bewerbungen sichten und dann gemeinsam mit den entsprechenden Institutionen Entscheidungen treffen", sagte Werner und kündigte eine zeitnahe Entscheidung an.
In Istanbul hatten die Verantwortlichen nach dem gelungenen Auftakt durch Youngster Stäbler auf eine Signalwirkung gehofft. Aber der Olympia-Zweite Mirko Englich (96 Kilogramm) scheiterte ebenso knapp an der London-Qualifikation wie Erik Weiß (60 Kilogramm). Doch "einige unserer Athleten wie Jan Fischer, Nico Schmidt, Nicole Hauptmann oder Yvonne Englich liefen regelrecht aus der Spur, haben jegliche taktische Linie vermissen lassen", schimpfte Werner.
Frauen-Bundestrainer Jörg Helmdach fühlte sich regelrecht im Regen stehen gelassen: "Wir haben Kampfkonzepte geschmiedet, Taktiken besprochen, hart trainiert und hier in Istanbul, zum Saisonhöhepunkt, sind wir eingebrochen."