Der Kampf um die Olympia-Tickets begann für die deutschen Ringer in diesem Sommer mit einer geräuschlosen Personalveränderung. Das Arbeitsverhältnis zwischen Sportdirektor Detlef Schmengler und dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) wurde zum 30. Juni einvernehmlich beendet, die Stelle neu ausgeschrieben. Der Fachverband strebt eine interne Lösung an und wird diese spätestens nach den Welttitelkämpfen in Istanbul bekanntgeben.
"In der Türkei soll der Trend möglichst durchbrochen werden, wir wollen mit insgesamt sieben Athleten in London auf die olympische Matte gehen", sagte DRB-Präsident Manfred Werner vor den am Montag beginnenden Titelkämpfen. Dabei ruhen seine Hoffnungen vor allem auf den schweren Jungs. Der Olympia-Zweite von Peking, Mirko Englich (96 kg), und Superschwergewichtler Nico Schmidt (120 kg/beide Frankfurt/Oder) sollen es bei den Griechisch-Römischen richten und möglichst das kleine Finale erreichen. Denn einen direkten Olympia-Quotenplatz erkämpfen nur die ersten sechs, da bei den Ringern durch das Gruppensystem jeweils zweimal Bronze und damit auch zwei fünfte Ränge vergeben werden.
Zudem werden im kommenden Jahr noch drei Qualifikationsturniere ausgetragen, bei denen die Finalisten ein weiteres Olympia-Ticket erhalten. Insgesamt werden je Gewichtsklasse 20 Plätze für London vergeben. "Schon an den Meldungen ist abzulesen, dass es eine harte WM wird, in einigen Gewichtsklassen meldeten über 50 Nationen ihre Ringer zu den Titelkämpfen an", meinte Greco-Bundestrainer Maik Bullmann, dessen Klassiker ab Montagnachmittag als erste auf die Matten müssen.
Bei den Freistilspezialisten zählt Superschwergewichtler Nick Matuhin vom 1. Luckenwalder SC zu den aussichtsreichsten Startern. "Ich will in London dabei sein, darauf hab ich hart hingearbeitet", meinte der Hüne. Bei der Heim-EM Anfang April in Dortmund erreichte Matuhin nach langer Verletzungspause das "kleine Finale" und wurde Fünfter. Seitdem zeigt seine Formkurve nach oben.
Bei den Frauen hat vor allem Yvonne Englich (63 kg/Frankfurt/Oder) gute Medaillenchancen. Sie trainiert trotz zweier Kinder ehrgeizig für die gemeinsame Olympia-Qualifikation - mit ihrem Ehemann Mirko. "Und wenn ich einmal in London dabei bin, dann will ich auch eine Medaille", betonte sie selbstbewusst.
Doch gerade der routinierte Coach Bullmann, früher selbst Weltmeister und Olympiasieger, weiß um die Leistungsdichte im Ringen: "Die Weltspitze ist immer weiter zusammengerückt, es wird sehr schwer, sich für London zu qualifizieren, da werden auch Ex-Weltmeister und einstige Olympiasieger auf der Strecke bleiben."