Michael Jung war ziemlich angefressen. Zwar hatte die deutsche Vielseitigkeitsmannschaft beim CHIO in Aachen trotz seines Patzers im Gelände den Nationenpreis noch gewonnen, doch das konnte den 27-Jährigen nicht beruhigen. Der EM-Dritte fühlte sich betrogen, weil er mit seinem Zweitpferd Leopin durch eine Zeitgutschrift der Ground Jury in der Einzelwertung vom zweiten auf den vierten Rang zurückgefallen war.
"Wir wollen nichts geschenkt bekommen und keine Zeitgutschrift haben", wetterte Vater Jung. Ihm ginge es auch nicht ums Geld, obwohl sein Filus durch die Rückstufung auf Platz vier immerhin 12.000 Euro Prämie verlor. Zunächst drängte Jung auf Protest, doch Bundestrainer Hans Melzer lehnte ab. Pikant: Sollte Jung nachträglich auf Platz zwei vorrücken, würden in Andreas Dibowski und Dirk Schrade zwei deutsche Teilnehmer um einen Rang zurückgestuft.
Am Ende langer Diskussionen fand die Ground Jury in Aachen einen Kompromiss. Jung wurde vom vierten auf den dritten Rang hochgestuft. Da er die gleiche Anzahl von Strafpunkten aufwies wie der zuvor Drittplatzierte Schrade, nahm man als zweites Kriterium nicht die schnellere Zeit, die Schrade nur durch die Gutschrift erzielt hatte, sondern das Ergebnis aus dem Springen von Freitag als Kriterium für den direkten Vergleich. Da lag Jung vor Schrade.
Hindernis musste aus Wettbewerb genommen werden
Auslöser der Tumulte war ein Sturz des Australiers Clayton Fredericks, der das Hindernis Nummer zehn so stark beschädigte, dass es aus dem Wettbewerb genommen werden musste. Alle Reiter, die noch über das Hindernis mussten, bekamen fünf Sekunden gut geschrieben und entsprechend Strafpunkte abgezogen. Dadurch blieb etwa Schrade im vorgegebenen Zeitrahmen und verlor Strafpunkte. Jung hatte zuvor als einziger Reiter auf dem noch kompletten Kurs das Zeitlimit eingehalten und war sowieso ohne Strafpunkte.
In der Einzelwertung gewann der Neuseeländer Andrew Nicholson mit dem Wallach Nereo (46,80 Punkte). Zweiter wurde Vorjahressieger Andreas Dibowski (Egestorf/47,60) mit Butts Leon. Ingrid Klimke (Münster/50,20), die mit Dibowski und Jung für die Mannschaft ritt, belegte mit Abraxxas den sechsten Rang.