Paris vor Augen, London im Blick: Ein Jahr nach ihrer Bauchlandung von Tokio wollen die deutschen Judokas mit einem erfolgreichen WM-Auftritt Mut tanken für Olympia 2012. "Zwei Medaillen wären der absolute Wunschtraum. Aber ich bin über jede Platzierung zwischen eins und zehn sehr glücklich", sagte Präsident Peter Frese vom Deutschen Judo-Bund (DJB) vor den in Paris beginnenden Titelkämpfen. Die deutschen Hoffnungen auf Edelmetall ruhen einmal mehr auf dem starken Männer-Zimmer von Olympiasieger Ole Bischof und Schwergewichtler Andreas Tölzer.
Nach der Enttäuschung bei der WM 2010 sieht sich Ausnahmeathlet Bischof bestens gerüstet für den WM-Kampf in seiner Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm. "Ich weiß, dass alles drin ist. Ich gehöre auf jeden Fall zum Favoritenkreis", sagt der 31-Jährige, der auch in Paris wieder mit dem letztjährigen WM-Zweiten Tölzer sowie Dimitri Peters das Zimmer teilt. "Ich habe in diesem Jahr schon Mitfavoriten besiegt. Ich weiß einfach, dass ich die Jungs schlagen kann."
Diesmal soll es besser laufen als vor einem Jahr in Tokio. Damals musste der Reutlinger im zweiten Kampf nach nur 66 Sekunden gegen den früheren Weltmeister Guillaume Elmont (Niederlande) seine Träume von der zweiten WM-Medaille nach Bronze 2009 begraben. Medaillenchancen hat auch Bischofs Teamkollege Sven Maresch. "Wir wollen beide auf das Podest", sagt der Olympiasieger zuversichtlich. "Aber da stehen noch einige Weltklasse-Athleten im Weg."
Stark ist die Konkurrenz auch für Schwergewichtler Tölzer, der den DJB vor einem Jahr mit Silber vor einer kompletten Pleite bewahrt hatte. Der Mönchengladbacher hatte in der Vorbereitung auf die WM lange mit einem angerissenen Brustmuskel zu kämpfen, doch nun sieht er sich wieder in Form. "Ich fühle mich erstaunlich stark. Ich kann alles machen und bin sehr optimistisch", sagt er.
Auch den deutschen "Power-Frauen" ist in Paris einiges zuzutrauen. "Wir haben eine starke Mannschaft, und jede Athletin ist für eine Medaille oder Platzierung gut", sagt Frauen-Bundestrainer Michael Bazynski. Vor allem Romy Tarangul in der Klasse bis 52 Kilo sowie Heide Wollert in der Klasse bis 78 Kilo gehen aussichtsreich ins WM-Rennen.
Insgesamt schickt der DJB 19 Kämpfer bei der WM in der französischen Hauptstadt an den Start. Doch ein Jahr vor den Sommerspielen in London 2012 geht es nicht nur um Edelmetall. "Wichtig sind Qualifikationspunkte für Olympia. Da müssen wir Stärke zeigen", mahnt DJB-Präsident Frese.