EM-Finale erreicht, Olympia-Ticket gesichert: Die Teamkolleginnen fielen ihr um den Hals, und für die 34-Jährige war es ein besonderer Augenblick: Mit ihrem 196. Länderspiel-Tor schoss sie sich den Weg frei zu ihrer fünften Olympia-Teilnahme - das hat noch keine Hockey-Spielerin geschafft.
Vor allem die Verantwortlichen des klammen Deutschen Hockey-Bundes durften aufatmen. Denn eine Pleite gegen Spanien hätte für die Damen den Umweg über ein schweres Ausscheidungsturnier bedeutet. Da nun beide Teams den Olympia-Startplatz sicher haben, was DHB-Chef Stephan Abel "überlebensnotwendig" nannte, ist auch die Spitzenförderung gesichert. "Je höher man die Zielvereinbarungen ansetzt, desto höher sind die Zahlungen", erklärte Damen-Coach Michael Behrmann. "Unsere lautet: Zwei Olympia-Medaillen, am besten eine in Gold." Die Vorgabe hat die deutsche Top-Ballsportart zuletzt mit Gold (Damen) und Bronze (Herren) in Athen 2004 und Gold (Herren) in Peking 2008 erfüllt.
"Wir, der Verband und alle Bundesliga-Vereine sind heilfroh, weil nun ein geregelter Liga-Spielbetrieb und eine gute Vorbereitung auf Olympia möglich ist", betonte Behrmann. Das kollektive Aufatmen war vor allem der Welthockey-Spielerin von 1999 zu verdanken, die im entscheidenden Moment Ruhe bewahrte. "'Taschi' trifft derzeit immer die richtigen Entscheidungen", kommentierte Spielführerin Fanny Rinne den siegbringenden Torschuss im EM-Halbfinale von Mönchengladbach.
Bis Olympia möchte Rekord-Nationalspielerin Keller, die in Kürze ihr 400. Länderspiel bestreitet, weitermachen, dann ist international "definitiv" Schluss. "In London möchte ich noch mal richtig angreifen und der Mannschaft helfen - so wie heute", erklärte die erfahrenste deutsche Akteurin. "Alle vier Olympiaden waren tolle Erlebnisse. Super, dass ich das nun noch ein fünftes Mal erleben darf", ergänzte die Stürmerin, die schon seit 1994 im DHB-Auswahlteam dabei ist.
Dass sie fitter wirkt als früher, führt sie auch darauf zurück, dass vor ein paar Jahren eine Schilddrüsenunterfunktion bei ihr erkannt und behandelt wurde. "Außerdem hatten wir früher einen Athletik-Trainer, heute drei." Im EM-Finale gegen den Top-Favoriten Niederlande könne man - anders als gegen Spanien, als es um Alles oder Nichts ging - gelöst aufspielen. Und vielleicht wie 2007 in Manchester (2:0) die Überraschung schaffen und EM-Champion werden. "Auf jeden Fall wissen wir, dass man auch Holland schlagen kann."