Die 34-Jährige möchte nicht so aufhören wie Birgit Prinz, sondern noch einmal den "Olymp" erklimmen und dann auf dem Höhepunkt abtreten. Die deutsche Rekord-Nationalspielerin strebt bei der Heim-Europameisterschaft ihre fünfte Olympia-Teilnahme an - das hat noch keine Hockey-Spielerin geschafft.
"Alle vier Olympischen Spiele waren tolle Erlebnisse. Da ist doch klar, dass ich total motiviert bin, es in London auch noch ein fünftes Mal genießen zu dürfen", sagte die 34 Jahre alte Olympiasiegerin von Athen 2004 in Mönchengladbach der Nachrichtenagentur dpa. Und ergänzte überzeugt: "Das ist mein Ziel, und dann wird es endgültig mein letztes Turnier sein."
Allerdings muss zuvor im EM-Halbfinale noch Spanien aus dem Weg geräumt werden. Denn nur die Endspiel-Teilnahme garantiert das direkte Ticket in die britische Hauptstadt. Sollte der gesetzte Olympia-Gastgeber gegen die Niederlande ins Finale einziehen, würde auch EM-Platz drei genügen. "Wir wissen, dass wir Spanien besiegen können", sagte Keller und dachte wohl an das Testspiel vor der EM, als der Gegner 5:0 vom Platz gefegt wurde. "Auf jeden Fall ist uns Spanien lieber als Holland."
Geht es für die Mannschaft von Damen-Coach Michael Behrmann aber schief, könnte Natascha Keller ein ähnliches Los ereilen wie die kürzlich zurückgetretene einstige Weltfußballerin Prinz. Die hatte beim erhofften Sommermärchen der deutschen Fußball-Frauen bei der Heim-WM einen Alptraum erlebt, als sich die langjährige Toptorjägerin plötzlich auf der ungewohnten Reservebank wiederfand. Und nach dem frühzeitigen Turnier-Aus trat sie - wie zuvor beschlossen - aus dem DFB-Team zurück, kurz danach folgte sogar der komplette Rücktritt.
"Das war ganz bitter, das wünscht man keiner Sportlerin", sagte Natascha Keller und zeigte Mitgefühl. "Ich hoffe, dass es mir nicht auch mal so ergeht." Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen beiden Stars. Sie sind nicht nur gleichen Alters (1977 geboren). Wie Prinz ist auch Keller Toptorjägerin (195 Tore in 395 Länderspielen), wurde als Weltspielerin im Hockey (1999) geehrt, auch ihr weiterer Karriere-Verlauf entscheidet sich derzeit vor heimischem Publikum.
"Man muss zugeben, dass der öffentliche Druck im eigenen Land viel höher ist, weil von einem erwartet wird, dass man ein tolles Turnier spielt", gestand Keller, die einer super-erfolgreichen Hockey-Familie entstammt. Opa Erwin holte 1936 Olympia-Silber, Vater Carsten (1972), die Brüder Andreas (1992) und Florian (2008) wie Natascha 2004 Gold.
Coach Behrmann lobt "Taschi" als Vorbild und vergleicht sie immer wieder gerne mit "gutem Wein, der noch besser wird, wenn er reift". Und aus seiner Auswahl ist die Stürmerin mit der "7", die 1994 ihr erstes Länderspiel bestritt und immer noch zu den Besten zählt, einfach nicht wegzudenken. Behrmann: "Sie ist eine Persönlichkeit, die mit ihrer Klasse eine Partie jederzeit entscheiden kann." Am besten wäre, sie würde es gegen Spanien gleich noch mal beweisen.