Der ungarische Präsident des Internationalen Gewichtheber-Verbandes (IWF), Tamas Ajan, hatte Tröger zur Sitzung der IWF-Exekutive nach Paris eingeladen und ihm seinen Plan vorgestellt. Tröger will die Voraussetzungen prüfen und später entscheiden, ob er die Rolle annimmt. "Wenn ich es mache, will ich helfen, richtige Strukturen im Kampf gegen Doping zu schaffen", sagte der 82-Jährige.
Ajan ist damit auf die Initiative des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG) eingegangen, die vor der Exekutive erneut gefordert hat, die Dopingkontrollen einer neutralen Kommission zu unterstellen und nicht mehr wie bisher vom Gewichtheber-Weltverband vornehmen zu lassen. Diese unabhängige Kommission soll dann von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA überwacht werden. Zudem soll mehr Transparenz in die bislang verborgenen Aktivitäten gegen Doping einziehen. Als Reaktion auf die Forderungen sind die sechs Mitglieder der bisherigen IWF-Anti-Doping-Kommission unter dem Vorsitzenden des Rumänen Nicu Vlad zurückgetreten.
"Das ist aber kein Protest, sondern aus der Einsicht heraus geschehen, dass wir jetzt ein unabhängiges Gremium brauchen", sagte Christian Baumgartner, BVDG-Vizepräsident und Anti-Doping-Beauftragter des Verbandes, der Nachrichtenagentur dpa. Der Funktionär war zur Exekutivtagung eingeladen worden, um die deutschen Pläne vorzustellen. "Es gab sehr viel Zustimmung. Die Russen haben zwar nichts gesagt, aber die Chinesen haben in unsere Kerbe gehauen", sagte Baumgartner, der am Freitag auf dem IWF-Kongress nochmals das Wort ergreifen wird.
Baumgartner betonte, dass es in den vergangenen acht Jahren 368 Dopingfälle im Gewichtheben gegeben habe, wovon Athleten aus 80 Ländern betroffen waren. Eine Besserung habe sich trotz aller Bemühungen nicht eingestellt. "Im Gewichtheben wird flächendeckend gedopt", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag).
Baumgartner begrüßte den Vorschlag Ajans, den DOSB-Ehrenpräsidenten Tröger für den Anti-Doping-Kampf im Gewichtheben zu gewinnen. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte der Münchner. Ajan wolle den Deutschen offensichtlich als Chef des unabhängigen Kontrollorgans gewinnen, meinte Baumgartner. Ihm habe Tröger jedoch erklärt, lediglich als Organisator und Berater tätig sein zu wollen.