Der deutsche Fechter Jörg Fiedler spricht nach einer enttäuschenden WM Klartext.  Foto: ORIETTA SCARDINO
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Unruhe im Fechter-Lager - "Klartext" gefordert

Mit teilweise erschreckend schwachen Leistungen sind Deutschlands Fechter in den vorolympischen Erklärungsnotstand geraten.
16.10.2011 10:53 Uhr

Der Absturz von Degen-Olympiasiegerin Britta Heidemann auf WM-Rang 126 oder der 121. Platz des ehemaligen Europameisters Sven Schmid mit der gleichen Waffe ließen es am Fuß des Vulkans Ätna bei den Weltmeisterschaften in Catania intern brodeln.

Europa-Champion Jörg Fiedler, als Degen-Weltranglistenerster früh gescheitert, bewertete seine eigenen Auftritte als "grottenschlecht" und rüttelte die Verantwortlichen des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) im Frust auf: "Wir schaffen es nicht mal, dass wir zehn Leute haben, die wirklich Leistungssport machen wollen", sagte der Leipziger im MDR-Fernsehen.

Die Unruhe wurde im Lauf der WM-Woche immer intensiver spürbar. Fechter-Chef Gordon Rapp nahm es auch wahr, versuchte indes, die Entwicklung als weniger gravierend darzustellen: Er sprach von einem "kleinen Problem" am Olympia-Stützpunkt Tauberbischofsheim, der mit Emil Beck zur Medaillenschmiede wurde, wo aber mittlerweile mangels Top-Resultaten Tristesse herrscht. "Das Hauptzentrum muss einfach mehr Erfolge erzielen", hielt Sportdirektor Manfred Kaspar fest.

Die "Warnschüsse vor den Bug" bezog der 59-Jährige aber nicht nur auf Tauberbischofsheim. Zur WM-Medaillenausbeute von einmal Silber in den Einzelwettbewerben durch Säbel-Ass Nicolas Limbach sagte Kaspar, "mäßig" sei schon fast ein bisschen beschönigend.

Der WM-Zweite Limbach, Frontmann des Stützpunkts Dormagen, hat den Beck-Erben von der Tauber zusammen mit seinen Waffenkollegen den Rang längst abgelaufen, obwohl die drei Dormagener und der Tauberbischofsheimer Björn Hübner als Vierte Gold verpassten, aber trotzdem das Olympia-Ticket buchten.

Das Quartett machte den anderen auch in Sizilien vor, wie modernes Fechten in exzellente Darbietungen auf der Planche umgesetzt wird. Hübner: "Wir haben ein Prinzip, das lautet: Wir geben einen Kampf erst auf, wenn zwei von uns verletzt von der Bahn getragen werden."

Kaspar hatte den Rückschritt kommen sehen: "Ich habe die ganzen Jahre gesagt, irgendwann wird eine WM auch mal wirklich danebengehen." Doch der 59-Jährige, der als Coach Britta Heidemann 2008 und Arnd Schmitt 1988 zu Olympiasiegern machte, steckt voller Sorgen, "dass wir vielleicht perspektivische Probleme haben werden" und dass es nicht das Ziel sein könne, in der anonymen Masse der Fechtnationen unterzutauchen, die auch nicht überzeugen.

Deutsche Mannschaften gingen in Catania unter. Im Damensäbel gab es einen Absturz auf Rang 13, die jahrelang vom Erfolg verwöhnte weibliche Florett-Crew endete als Neunte, muss um den London-Start bangen. Immerhin lieferten Fiedler und Co. dem späteren Degen-Weltmeister Frankreich am Samstag beim 41:45 im Viertelfinale einen heißen Tanz, griffen aber ebenfalls an der Medaille vorbei.

Fiedler forderte danach, "Klartext zu reden", plädierte für "klare Richtlinien" - augenscheinlich ein nicht expliziert ausgedrückter Vorwurf an Kaspar. Den wiederum interessiert die Kritik an ihm "nur mittelmäßig". Rapp nahm seinen Sportchef in Schutz, bezeichnete ihn als "beste Lösung".

Doch eines müsste allen klar sein: Weil sich Nachwuchserfolge jüngst fast nur noch im Bereich Säbel einstellten, ist möglicherweise globales Umdenken angesagt. Deutschlands Fechter müssen sich hinterfragen, ob sie künftig Mittelmaß oder top sein wollen. Fiedler: "Da müssen wir uns mal hinsetzen und sagen: Was wollen wir?"

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