Silber für die Florett-Damen, Bronze für die Säbelherren: Mit zwei Überraschungsmedaillen haben die deutschen Fechter auch am vierten Tag der Heim-EM in Leipzig ihre Erfolgsgeschichte weitergeschrieben. Die Damen verpassten nach ihrem Sensationssieg gegen Russland im Halbfinale gegen Weltmeister und Titelverteidiger Italien zwar die Goldmedaille, durften aber mit dem zweiten Platz mehr als zufrieden sein.
Und auch die Säbelherren um Weltmeister Nicolas Limbach zeigten eine tolle Moral und bezwangen im Gefecht um Platz drei Russland. Damit stehen nach vier EM-Tagen bereits fünf Medaillen auf dem Konto des Deutschen Fechter-Bundes.
"Da sieht man mal, wozu Niederlagen möglicherweise gut sind", sagte Florett-Bundestrainer Lajos Somodi. Im Einzelwettbewerb waren Carolin Golubytskyi, Katja Wächter, Sandra Bingenheimer (alle Tauberbischofsheim) und Martina Zacke (Berlin) leer ausgegangen: "Ich freue mich für die Mädchen. Sie waren heute eine Mannschaft."
Bittere Minuten für die Herren
Und auch Limbach konnte die Leistung seines Teams nicht hoch genug bewerten. "Das war unglaublich. Natürlich waren wir nach dem Halbfinale enttäuscht, aber wir verlieren und gewinnen zusammen", sagte der Dormagener nach dem Gewinn seiner zweiten Medaille. Im Einzel hatte er sich bereits Silber geholt.
Doch nach dem verlorenen Halbfinale gegen den späteren Sieger Italien, in dem das deutsche Team mit Limbachs Vereinskollegen Benedikt Beisheim und Max Hartung sowie dem Tauberbischofsheimer Björn Hübner zeitweise hoch geführt hatte, musste die vier Deutschen bittere Minuten durchleben.
Denn während die Florett-Damen stürmisch ihren Finaleinzug feierten, saßen die deutschen Säbel-Fechter wenige Meter entfernt mit leeren Blicken neben der Planche - freuten sich allerdings dann nur wenig später genauso enthusiastisch über Bronze.
Damen überraschen gegen Russland
Für die Überraschung hatten die Damen mit ihrem sensationellen 37:25-Sieg im Halbfinale gegen Olympiasieger und Vize-Weltmeister Russland gesorgt. Und auch schon im Viertelfinale gegen Ungarn war das deutsche Quartett stark aufgetreten. Selbstbewusst, locker und mental stabil holten nach einem Rückstand Punkt für Punkt auf, ehe Wächter im Sudden Death den erlösenden Treffer zum 32:31-Erfolg setzte. Somodi: "Das gibt uns natürlich einen Schub für die Vorbereitung auf die WM."
Lange sah es so aus, als könnten auch die Säbel-Herren den Final-Einzug schaffen. Nach einem leichten Auftaktsieg gegen die Türkei gewann das Quartett gegen Olympiasieger Frankreich 45:36, und auch im Halbfinale gegen Vize-Weltmeister und Titelverteidiger Italien sah es lange gut aus. Doch es am Ende nicht.
"Wir haben schon einen Fortschritt gemacht", sagte Säbel-Bundestrainer Vilmos Szabo: "Aber wir haben gegen Italien gut angefangen, das macht es schon ein bisschen ärgerlich."
Kaspar zieht positives Fazit
DFeB-Sportdirektor Manfred Kaspar zog nach den starken Auftritten der deutschen Teams naturgemäß ein positives Fazit. "Selbst wenn die EM schon zur Halbzeit beendet gewesen wäre, wäre sie aus sportlicher Sicht erfolgreich gewesen", sagte Kaspar.
Für DFeB-Präsident Gordon Rapp war das gute Abschneiden des deutschen Teams bisher eine Bestätigung der Verbandsstrategie. "Es ist richtig, dass wir auf alle sechs Disziplinen setzen und diese fördern. Bei der Enge der Weltspitze, sind Erfolge nicht vorhersagbar", sagte er.
In den Einzelwettbewerben hatte es für die deutschen Fechter in Leipzig dreimal Edelmetall gegeben. Neben Limbach gewann Säbelfechterin Sibylle Klemm (Tauberbischofsheim) am Montag überraschend Bronze. Am Sonntag hatte Imke Duplitzer (Bonn) im Degen für den ersten deutschen EM-Titel gesorgt.