Zweimal Olympiagold, Gesamtweltcup-Sieg und jetzt Weltmeister im Skifliegen - auch nach seiner einmaligen Triumphserie binnen 36 Tagen war Überflieger Simon Ammann längst noch nicht satt. "Ich könnte mir das Vorspringer-Trikot anziehen, bekomme zwei Luken mehr Anlauf und dann springe ich Weltrekord", sagte der Schweizer und schob mit einem verschmitzten Grinsen seine kultige Sonnenbrille nach oben.
Im letzten Sprung der Konkurrenz auf der größten Schanze der Welt war er zuvor mit 236,5 Metern zur größten Weite des Einzelspringens gesegelt und hatte Gold perfekt gemacht. Es fehlten aber 2,5 Meter zum Weltrekord des Norwegers Björn Einar Romören, und Ammann ist einer, der am liebsten jede Bestmarke brechen will. Deshalb dachte der 28-Jährige im Moment des erneuten Triumphs auch an die Vierschanzentournee, die er bislang noch nie gewinnen konnte: "Vielleicht werde ich mit diesen Erfolgen ja lockerer für die Tournee. Da bin ich immer übermotiviert."
Bundestrainer Schuster verneigt sich vor Ammann
Bundestrainer Werner Schuster, der Ammann in seiner Zeit als Schweizer Chefcoach ein Jahr trainieren konnte, verneigte sich bei seiner Gratulation vor dem kleinen Zaubermeister mit dem Spitznamen Harry Potter. Und hatte auch eine Begründung parat, warum Ammann seit Ende Januar jedes Springen gewonnen hat: "Er ist in einer Überform und lebt den Sport mit Haut und Haaren. Und Simon hat in seiner Karriere einfach zu viele Tiefs erlebt, um irgendetwas auszulassen, was er gewinnen kann."
Was er da wirklich geleistet hat, ist Simon Ammann aber selbst noch gar nicht so richtig bewusst geworden. "In den letzten Wochen ist alles so schnell gegangen. Deshalb ist es für mich ganz wichtig, Zeit zu finden, um alles in Ruhe Revue passieren zu lassen." Der Mann, dessen Eltern einfache Kuhbauern ohne Fernseher sind, wird in den Urlaub fahren.
"Es ist immer schwerer für mich, Ziele zu finden"
Und dann wird er sich auf die nächste Saison vorbereiten, denn "bei der Nordischen Ski-WM in Oslo will ich noch unbedingt dabei sein". Obwohl natürlich auch schon ein Skisprung-Weltmeistertitel in seiner einmaligen Erfolgsliste steht. "Es ist jetzt natürlich immer schwerer für mich, Ziele zu finden. Aber mir fällt da bestimmt was ein", sagte Ammann. Zum Beispiel der Weltrekord und der Triumph bei der Vierschanzentournee.