Mit Goldgarantin Maria Riesch, dem neuen Cheftrainer Thomas Stauffer und jeder Menge Optimismus steuern die deutschen Skifahrerinnen die Heim-WM an. "Ich will dort bleiben, wo ich bin: Ganz oben", sagte Doppel-Olympiasiegerin Riesch vor den Titelkämpfen in Garmisch-Partenkirchen (7. bis 20. Februar 2011) im Trainingslager im bayerischen Ottobeuren, und auch Shooting-Star Viktoria Rebensburg möchte "von Anfang an um Siege mitfahren".
Für frischen Wind und viel Motivation in den ersten anstrengenden Trainingswochen sorgt Thomas Stauffer, der Mathias Berthold vor der Saison nach vier Jahren als Cheftrainer abgelöst hatte. Riesch gibt zwar zu, dass sie "zunächst enttäuscht war" über Bertholds Rücktritt, jetzt aber durchaus Vorteile im Trainerwechsel sehe: "Neue Impulse sind nie schlecht", sagt die 25-Jährige über den Schweizer, der auch von den weiteren DSV-Fahrerinnen geschätzt wird.
Sehr erleichternd findet Riesenslalom-Olympiasiegerin Rebensburg "die Ruhe und perfekte Organisation" des 41-Jährigen, Marias Schwester Susanne Riesch ist "positiv überrascht von dem Wechsel. Er ist zu 100 Prozent zuverlässig."
Trainingslager in Neuseeland und Chile
Perfekt organisiert starteten Riesch und Co. ihre Vorbereitung schon im Mai auf Zypern. Die ersten Schneeblöcke standen bereits in den vergangenen beiden Wochen in Zermatt und Wittenburg an, ab August geht es zu großen Trainingslagern nach Neuseeland und Chile. Stauffer, der zuvor Schwedens Alpin-Team trainierte, sieht den Cheftrainerposten zwar "als große Herausforderung, allerdings ist das Niveau da. Ich muss es jetzt halten."
Dreimal Olympia-Gold, zwei Siege in den Weltcup-Wertungen sowie fünf Weltcup-Siegen aus dem vergangenen Winter sind ein hoher Maßstab für das erste Jahr. Bescheiden gibt sich der 41-Jährige trotzdem nicht: "Wir fahren nach Garmisch, um Medaillen zu holen."
Neben der frisch mit Manager Marcus Höfl verlobten Allrounderin Riesch ruhen die DSV-Hoffnungen vor allem auf den Riesenslalom-Expertinnen Rebensburg und Weltmeisterin Kathrin Hölzl. Insbesondere das Slalom-Team ist mit Susanne Riesch und Fanny Chmelar zudem breit aufgestellt. "Gold-Maria" Riesch zieht aus der geschlossenen Mannschaftsleistung Kraft: "Es nimmt mir schon Druck, wenn ich weiß, da kommen welche, die zur Not für mich in Bresche springen können."
Gesamtweltcup hat nicht höchste Priorität
Höchste Priorität hat aber auch im kommenden Winter noch nicht der Gesamtweltcup-Sieg: "Wenn er kommt, dann kommt er. Wenn nicht, dann nicht", sagt Riesch deutlich entspannter als noch in den letzten Jahren.
Und langsam entwickeln sich in Rieschs Schatten auch die anderen DSV-Fahrerinnen. Die 20-Jährige Rebensburg, die sich nach der Saison einer Blinddarm-Operation unterziehen musste, will definitiv um die "Riesenslalom-Kugel mitfahren", Ähnliches schwebt auch Hölzl vor. Susanne Riesch hat sich nach dem bitteren Aus im olympischen Slalom von Vancouver vorgenommen, "sofort in Form zu sein und die Ausfallquote reduzieren".
Läuft alles nach Plan, kann Stauffers erstes Jahr beim DSV erfolgreich werden. "Ich habe alles vorgefunden, was ich erwartet habe. Eine intakte, fitte Mannschaft und ein tolles Betreuerteam", sagt Stauffer.
Und falls es unter Berthold wirklich an der Organisationsarbeit gehapert hat, ist auch diese wieder intakt: Alle Hotels bis Ende der Vorbereitung sind vom Organisationstalent Stauffer bereits gebucht worden. "Das gab es noch nie", sagt Susanne Riesch. Noch ein verstecktes Lob für den neuen Trainer.