Damit ist ihr Start am 18./19. Februar bei den Mehrkampf-Weltmeisterschaften in Moskau akut gefährdet. Nach oben zeigt hingegen die Formkurve für Stephanie Beckert. Die Erfurterin lief über 3000 Meter in 4:06,42 erstmals in dieser Saison auf Platz zwei und musste nur Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien (4:05,88) den Vortritt lassen. "Die Pause war für mich sehr lang, aber ich habe sie genutzt, meine Rückenprobleme in den Griff zu bekommen", meinte Beckert erfreut.
Pechstein wurde hingegen von Schmerzen geplagt. "Ich konnte auf den 1500 Metern den Kopf gar nicht mehr in die Laufrichtung bewegen. So etwas ist mir in meiner Karriere noch nie passiert", schilderte sie, nachdem sie über 1500 Meter den deprimierenden 18. Rang belegt hatte. Umgehend reiste sie ab und begab sich in Berlin in ärztliche Behandlung. "Wir mussten die Notbremse ziehen. Ich hoffe sehr, dass sie in Moskau dabei sein kann", meinte Cheftrainer Markus Eicher. Pechstein trägt die alleinigen Hoffnungen auf eine WM-Medaille, denn Beckert ist dort nicht dabei.
Überschattet wurden die Rennen in Hamar von der "Causa Erfurt". Mit einer öffentlichen Erklärung wehrten sich Athleten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG gegen eine "unerträgliche Vorverurteilung" im Fall des Erfurter Sportmediziners Andreas Franke, der Blut von Sportlern mit UV-Strahlen behandelt hat. Die Aktiven forderten von der ARD "eine angemessene Entschuldigung" für ihre Berichterstattung. "Der Zeitpunkt der Erklärung war aus meiner Sicht ungünstig. Aber ich habe Verständnis, dass sich die Athleten gegen pauschale Doping-Anfechtungen wehren. Es herrscht eine große Unruhe im Team, es ist eine Katastrophe", schilderte Eicher die Situation.
Franke legte im ZDF erneut dar, es habe sich bei der UV-Bestrahlung aus seiner Sicht nicht um eine verbotene Methode gehandelt. "Der Vorgang wurde nie im Verborgenen durchgeführt", sagte Franke, die Verantwortlichen aus den Sportbereichen seien informiert gewesen. Infusionen oder Reinfusionen habe er nie vorgenommen.
In der Erklärung begrüßten die Sportler, dass DOSB-Präsident Thomas Bach bereits vor der ersten Sportschau-Berichterstattung, "zu diesem Thema klar Stellung bezogen und erläutert hat, dass die Methode der UV-Blutbehandlung seit dem 1. Januar 2011 auf der Verbotsliste des WADA-Codes steht." Der DOSB machte in einer Pressemitteilung umgehend klar, dass Bach in dem Interview "keine Bewertung der in Erfurt angewandten Methode" vor dem 1. Januar 2011 abgegeben habe. David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti- Doping-Agentur WADA, hatte erst in dieser Woche in einem dpa-Interview erklärt: "Es ist eine Methode, die verboten ist. Die Untersuchungen sind im Gange, und wir werden sehen, was herauskommt."
Der DOSB wird "nach Vorliegen der Ermittlungsergebnisse und Gerichtsentscheidungen den Fall umfassend und sorgfältig analysieren und dann über weitere Konsequenzen entscheiden". Rund 30 Sportler, darunter einige Eisschnellläufer, sollen von Franke behandelt worden sein.
Das Sportliche trat nach diesem Wirbel in den Hintergrund. Stephanie Beckert (210 Punkte) verbesserte sich mit dem zweiten Podestplatz der Saison auf Rang drei des Gesamtklassements. Pechstein (230) behauptet trotz Absage Rang zwei hinter Sablikova (400). Das Damen-Team blamierte sich ohne Pechstein und Beckert als Letzter, die Herren konnten beim Sieg der Russen hingegen zum dritten Mal als Dritte überzeugen.