Als Timo Boll eine 3:1-Satzführung verspielt und das Halbfinale bei den China Open verpasst hatte, erhob er schwere Vorwürfe gegen seinen Gegner. "Er hat mich um einen Punkt betrogen, als er eine Doppelberührung des Balles an Hand und Schläger nicht zugegeben hat", sagte der Weltranglistenzweite nach dem 3:4 gegen Lokalmatador Xu Xin erbost. Damit zog er auch im dritten Anlauf gegen den Chinesen den Kürzeren.
Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf konnte Bolls Wut auf den Gegner gut verstehen. "Timo ist ein hundertprozentig fairer Spieler. Leider gibt es aber immer wieder Athleten, die an Fair Play nicht interessiert sind", sagte der ehemalige Doppel-Weltmeister. Doch alle Klagen halfen nicht, Boll musste als letzter Deutscher beim Turnier in Sushou seinen Schläger einpacken.
"Hätte 4:1 oder sogar 4:0 gewinnen können"
"Ich habe das Match heute die meiste Zeit eindeutig dominiert und hätte das Spiel mit 4:1 oder sogar mit 4:0 gewinnen können, auch wenn der erste Satz noch etwas glücklich für mich war", sagte ein enttäuschter Boll.
Zuvor hatte sich der 29-Jährige der Nummer neun der Welt bereits im Januar bei den Grand Finals und Ende Juni beim Match der Weltauswahl gegen China geschlagen geben müssen.
Im Achtelfinale hatte Boll 4:0 gegen Olympiasieger Ryu Seung-Min aus Südkorea gewonnen. Mannschaftseuropameister Dimitrij Ovtcharov musste sich Xu Xin 1:4 geschlagen geben. In einem rein chinesischen Halbfinale trifft Xu auf Olympiasieger Ma Lin. Auch im zweiten Semifinale sind die Gastgeber unter sich. Dort stehen sich Wang Liqin und Zhang Jike gegenüber.
Bei den Frauen war für Europameisterin Wu Jiaduo (Kroppach) bereits im Achtelfinale Endstation. Die 32-Jährige unterlag der Weltranglisten-Vierten Ding Ning aus China 1:4.