Aufsteiger Tomas Berdych greift bei den 124. All England Championships in Wimbledon nach den Sternen, muss dafür aber die fast unmöglich scheinende Aufgabe lösen, Rafael Nadal zu bezwingen. Nach Titelverteidiger Roger Federer im Viertelfinale schaltete der 24-Jährige Berdych in einem im zweiten Satz atemberaubenden Semifinale auch den neuen Weltranglisten-Zweiten Novak Djokovic aus Serbien mit 6:3, 7:6 (11:9), 6:3 aus und zog damit erstmals in seiner Karriere ins Endspiel eines Grand-Slam-Turniers ein.
Dort erwartet ihn am Sonntag (15.00 Uhr MESZ) nach den Nummern drei und zwei der Tenniswelt nun die eindeutige Nummer eins Rafael Nadal. Der Weltranglisten-Erste und French-Open-Champion aus Mallorca ließ sich auf dem Weg in sein viertes Wimbledon-Endspiel auch vom einheimischen Hoffnungsträger Andy Murray nicht aufhalten. Mit seinem 6:4, 7:6 (8:6), 6:4-Sieg zerstörte der Mallorquiner wieder einmal den großen britischen Traum vom ersten Sieg eines Briten seit Fred Perry 1936. Ehrengast David Beckham sah damit nur fünf Tage nach dem Aus der englischen Fußballmannschaft bei der WM die nächste große Enttäuschung für die Briten.
"Um Andy zu schlagen, muss man sein bestes Tennis zeigen", sagte Nadal, "es ist immer schwer gegen ihn. Er hat schon lange verdient, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen." Nach drei Wimbledon-Finals gegen Federer wartet jetzt also ein neuer Gegner auf den Spanier, vor dem er dennoch großen Respekt hat: "Das wird sehr schwierig gegen Tomas. Er schlägt super auf und spielt den Ball sehr flach. Er hat in diesem Turnier fantastisch gespielt und ist sehr gefährlich."
Berdych im Glück
Der Tscheche konnte sein Glück kaum begreifen: "Es fühlt sich unglaublich an, den Centre Court als Sieger zu verlassen", sagte Berdych, "es ist ohnehin ein Traum, ein Grand-Slam-Endspiel zu erreichen, aber Wimbledon ist natürlich das größte Turnier für mich, es könnte nicht besser sein." Berdych ist der erste Tscheche seit dem großen Ivan Lendl vor 23 Jahren, der wieder im Endspiel des bedeutendsten Tennisturniers der Welt steht. In der neuen Weltrangliste klettert er von Platz 13 auf Platz acht.
Die 16.000 Zuschauer auf dem vollgepackten Centre Court bejubelten nach dem Matchball nach 2:18 Stunden Spielzeit nicht nur Sieger Berdych, sondern zu recht auch den Verlierer. Beide Spieler lieferten sich bei sommerlichen 25 Grad und großer Luftfeuchtigkeit ein umkämpftes Match von größter Intensität und Spannung, in dem Berdych der etwas druckvollere und präzisere Spieler war.
Dabei war allein die Schlussphase des zweiten Satzes wohl das Beste, was in diesem Jahr beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt bislang zu sehen war. Im Tiebreak ging Berdych mit 6:2 in Führung, seine ersten Satzbälle, die der "Joker" mit letztem Einsatz abwehren konnte. Dramatisch wurde es, als ein Lob von Djokovic beim Stand von 6:5 für Berdych Aus gegeben wurde. Vermeintlich der Satzgewinn, aber das Hawk Eye bewies, dass der Ball noch auf der Linie war. Anschließend hatte Djokovic dann zwei Satzbälle, "schenkte" Berdych den Satz dann aber mit einem Doppelfehler.
Djokovic gratuliert Berdych
"Berdych war heute der bessere Spieler, ich muss ihm gratulieren", sagte Djokovic, "wenn ich den zweiten Satz gewonnen hätte, wäre vielleicht noch eine Wende möglich gewesen. Aber ich habe meine Chancen eben nicht genutzt."
Das entscheidende Break im dritten Satz gelang Berdych zum 5:3, diesmal hatte er keine Probleme mehr, das Match auszuservieren. "Ich werde jetzt wie nach dem Federer-Match bis zum Abend diesen Sieg genießen", kündigte Berdych an, "danach beginnen die Vorbereitungen auf das Endspiel. Ich möchte jetzt hier auch das letzte Match gewinnen."