Die Winterspiele der Rekorde in Vancouver endeten für Kanada mit dem fast hollywoodreifen Happy End und für Deutschland mit der zweitgrößten Medaillenzahl der Geschichte (30). Während die zuvor bei zwei Heimspielen sieglosen Kanadier mit dem 3:2 im Eishockey-Krimi gegen die USA mit 14 Siegen einen Gold-Rekord bei Winterspielen aufstellten, schraubte das US-Team den Medaillenrekord auf 37. "Titelverteidiger" Deutschland landete mit einer starken Bilanz auf Platz zwei.
"Kein Tag blieb ohne deutsche Medaille. Die Mannschaft war ein glänzender Botschafter für unser Land und unsere Bewerbung um die Winterspiele 2018 in München", bilanzierte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), nach dem finalen Silber von Axel Teichmann im 50-km-Langlauf.
Platz eins wäre erneut möglich gewesen, wenn Deutschland in den 20 seit 1992 etablierten neuen Disziplinen Shorttrack (acht), Snowboard und Ski-Freestyle (je sechs) nicht medaillenlos, sondern annähernd so erfolgreich gewesen wäre wie Kanada (sechs Gold) und die USA (drei).
Platz eins im "ewigen" Medaillenspiegel dank Frauen-Power
Vor allem der Frauen-Power ist es zu verdanken, dass Deutschland nach dem 4,8 Millionen Euro teuren Projekt Vancouver erstmals Spitzenreiter im "ewigen" Medaillenspiegel ist: Mit 129 Goldmedaillen wurde das nur dreimal siegreiche Russland (124) überflügelt, das als Gastgeber der nächsten Winterspiele vier Jahre vor Sotschi 2014 eine traurige Figur abgab. Die deutschen Frauen holten das meiste Gold und die meisten Medaillen (8-6-4) aller Nationen, gefolgt von Kanada (5-6-3).
Vancouver wird nach dem 16-tägigen Wettstreit der Rekordzahl von 2631 Athleten aus 82 Ländern als Olympia der Kontraste in die Geschichte eingehen: Selten zuvor erlebte die Welt, dass der Schauplatz der Spiele unter der Begeisterung der Menschen so vibrierte wie die Traumstadt am Pazifik. Doch acht der 86 Olympiasiege wurden exakt dort bejubelt, wo am Tag der Eröffnung das Leben des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili bei einem Unfall sein jähes Ende fand.
"The Games must go on"
"The Games must go on" war das Motto - wie schon 1972 nach dem Olympia-Attentat von München. Die Absage der Bob-, Rodel- und Skeleton-Entscheidungen im umstrittenen Eiskanal von Whistler war für Organisatoren und das Internationale Olympische Komitee (IOC) kein Weg. Somit war die makabre Konsequenz, dass zwei Wochen lang dort Medaillen gefeiert wurden, wo der erste tödliche Unfall in der Geschichte von Winter-Olympia die Spiele geschockt hatte.
"Das IOC und das Organisationskomitee haben nach diesem Ereignis, das weiter schmerzt, richtig gehandelt", sagte am Schlusstag Jacques Rogge. Der IOC-Präsident will nach dem Untersuchungsbericht des Staatsanwaltes sehen, ob Schlüsse für die Zukunft der Spiele zu ziehen sind.
Rogge nannte die von weltweit 3,5 Milliarden Menschen am Bildschirm verfolgten Wettkämpfe "exzellente und sehr freundliche Spiele", sie seien "von Menschen umarmt" worden. Doch auch 2014 erwarte er gute Spiele. Rogge: "Die Leute aus Sotschi haben in Vancouver viel gelernt. Und ich habe schon positive Antwort auf meine schriftliche Ansage, beim Bau des Eiskanals sei Sicherheit oberstes Gebot."
"Schwarze Null" statt Gewinn
Zweifel an der Eignung von Sotschi bleiben dennoch - nicht nur, weil dort noch höhere Temperaturen zu erwarten sind als in Vancouver, wo der wärmste Februar seit 114 Jahren das Organisations-Komitee VANOC unter dem unermüdlichen John Furlong an den Rand der Belastbarkeit brachte. Die Mehrkosten für das Heranschaffen tausender Tonnen Schnees und andere ungeplante Ausgaben führten dazu, dass statt eines Gewinns im 1,15-Milliarden-Euro-Etat laut IOC-Vizepräsident Thomas Bach "eine schwarze Null" stehen wird.
Eine Null stand quasi auch in der Doping-Bilanz. Nach zwei mit Verwarnungen geahndeten Stimulans-Fällen von Eishockeyspielern könnte sich Rogge wie bei den sechs nachträglich positiv getesteten Athleten der Sommerspiele 2008 in Peking ein Nachspiel vorstellen: "Die Proben lagern bis 2018 für weitere Analysen. Das Wissen darum hat abgeschreckt, auch deshalb gab es hier so wenig Fälle."