Frankreichs neuer Leichtathletik-Star Christophe Lemaitre hat sich am 4. EM-Tag von Barcelona endgültig zu Europas Sprinter-König gekrönt. Zwei Tage nach seinem 100-m-Triumph in 10,10 Sekunden riss der 20-Jährige nach phantastischem Finish in 20,37 den schon verloren geglaubten Sieg noch aus dem Feuer. Dann reckte der erste weiße 100-m-Mann unter zehn Sekunden (9,98) Frankreichs Fahne in den Abendhimmel von Barcelona und feierte Frankreichs viertes EM-Gold im Olympiastadion von 1992.
"Die Chance war fast dahin, aber ich wusste, wie stark mein Finish ist und habe es noch geschafft", meinte der freudestrahlende Youngster aus Aix-le-Bains. Am Sonntag könnte Lemaitre, der als achter Sprinter der Geschichte seit 1938 bei Europameisterschaften das Double schaffte, er mit Frankreichs 4x100-m-Staffel noch einen dritten Titel gewinnen.
Silber blieb in 20,38 dem Briten Christian Malcolm, der schon wie der Sieger ausgesehen hatte. Bronze gewann in 20,42 der Franzose Martial Mbandjock. Im Halbfinale war Sebastian Ernst (Wattenscheid) ausgeschieden, bereits im Vorlauf Daniel Schnelting (Rhede).
"Schon ein Großer"
"Er ist schon jetzt ein Großer", sagt Armin Hary, der erste 10,0-Sprinter, über den schmächtigen Junioren-Weltmeister, der auch nach dem zweiten Titel sagt: "Ich feiere erst, wenn ich das dritte Gold in der Tasche habe."
Schon wird Lemaitre mit Jamaikas Sprinter-Star verglichen. "Ich kenne Usain Bolt nur von der Bahn. Mein Ziel ist nicht, ihn zu erreichen, das wäre natürlich trotzdem großartig. Ich will mich auf mich konzentrieren", sagt Lemaitre. Als Student der Elektrotechnik betont er: "Dieser Ausgleich ist für mich sehr wichtig. Ich werde das Studium fortsetzen, auch wenn ich lieber auf der Bahn bin."
Lemaitre sieht Steigerungsmöglichkeiten
Dort sieht er schon bald Steigerungsmöglichkeiten: "Ich denke über 100m an eine Zeit von etwa 9,92 und über 200m möchte ich bald unter 20 laufen", sagt Lemaitre, der den Landesrekord bei den französischen Meisterschaften vor drei Wochen bei 20,16 verankert hatte.
Armin Hary, der vor seinem Olympiasieg 1960 in Rom als erster Mensch in Zürich genau zehn Sekunden über 100 m gelaufen war, sagt: "Lemaitre stützt meine These, dass es nicht die Sache der Gene ist, dass die Schwarzen im Sprint dominieren. Sie sind nur hungriger als wir. Grundsätzlich haben die Weißen die gleiche Chance."