Großer Bahnhof für die "kleinen" Athleten: 21 Tage vor den ersten Olympischen Jugendspielen der Sportgeschichte in Singapur hat das Olympische Feuer Berlin erreicht. Direkt vor dem Brandenburger Tor stimmte eine farbenfrohe und feierliche Fackel-Zeremonie mit Basketball-Held Dirk Nowitzki die Stars von morgen auf die historische Premiere ein.
"Wir feiern an dieser geschichtsträchtigen Stätte die Zukunft des olympischen Sports", sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er gab den jungen Athleten einen Rat mit auf den Weg: "Vergessen Sie bei all dem Sport die Lebensfreude nie."
Der nach einem schweren Trainingssturz querschnittsgelähmte ehemalige Turner Ronny Ziesmer sowie zwei Nachwuchsathleten des deutschen Olympiateams nahmen auf der Bühne die Fackel entgegen und entzündeten um 13.58 Uhr gemeinsam das Feuer in einem Kessel.
Ruderboot brachte Feuer über die Spree
Einen Tag zuvor war das Feuer im Heiligen Hain von Olympia entfacht worden. Nach der Ankunft am Berliner Flughafen Tegel brachte ein Ruderboot das Olympische Feuer über die Spree zunächst zum Haus der Kulturen und dann zum Brandenburger Tor, wo Tausende Schaulustige die Zeremonie mit Sport-, Kultur- und Musikvorführungen verfolgten.
Auf der Bühne schickten zudem NBA-Profi Nowitzki und Bob-Olympiasieger Andre Lange als deutsche Fahnenträger der Olympischen Spiele in Peking und Vancouver die 70-köpfige deutsche Mannschaft auf die Reise zur Premiere nach Singapur (14. bis 26. August). Nowitzki erinnerte sich daran, wie er vor zwei Jahren die deutsche Fahne ins Pekinger Olympiastadion getragen hatte. "Das war eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Ich war schon als Kind ein Fan von Olympia", sagte der 32-Jährige.
So wie die "Großen" kämpfen in Singapur auch die insgesamt 3600 jungen Athletinnen und Athleten in 201 Entscheidungen um Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Deutschland wird in 20 von 26 Sportarten vertreten sein.
Kritiker fürchten Erfolgsdruck für Jugendliche
Doch die Olympischen Jugendspiele sind nicht ganz unumstritten. Kritiker weisen auf den Erfolgsdruck hin, der die Jugendlichen belasten könnte. Auch Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen hat bei diesem Thema "ein bisschen Bauchweh". "Man muss sehen, dass man die jungen Sportler nicht verheizt. Letzlich leben wir alle in einer Leistungsgesellschaft, wir sind immer gefordert. Aber wir müssen aufpassen, dass der Spaß nicht zu kurz kommt", sagte Steffen.
Das zumindest ist auch das erklärte Ziel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die Jugendspiele seien eine "großartige Verbindung von Sport, Erziehung und Kultur", erklärte IOC-Vizepräsident Bach und entgegnete den Kritikern: "Alle diese Jugendlichen haben bereits internationale Wettkämpfe absolviert. Der Leistungsgedanke ist ihnen also vertraut."
In Berlin fand die zentrale Vorfeier, die etwa 300.000 Euro kostete, für ganz Europa statt. Die weiteren Stationen der Fackeltour sind Dakar in Senegal (stellvertretend für Afrika), Mexiko-Stadt (Gesamtamerika), das neuseeländische Auckland (Ozeanien) sowie Seoul in Südkorea (Asien). Am Ende der Reise über die fünf Kontinente erreicht die Fackel schließlich am 7. August Singapur. Entzündet wird das Feuer bei der Eröffnungsfeier am 14. August.