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Thursday, 02.09.2010 | 20:36:32

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General Manager des US-amerikanischen Handball-Verbandes: Steve Pastorino []

Aktuelle Handball-Nachrichten. Berichterstattung aus den deutschen Handball-Ligen, sowie der deutschen Handball-Nationalmannschaft und den internationalen Vereinswettbewerben.

General Manager Steve Pastorino im Interview

Die TOYOTA Handball Bundesliga traf sich mit dem General Manager des US-amerkianischen Handball-Verbandes und unterhielt sich mit ihm über die Entwicklung des Handballes.

Steve Pastorino hat gegenwärtig viel Arbeit. Als General Manager des US-amerikanischen Handball-Verbandes kümmert er sich gerade um die letzten Vorbereitungen für das Länderspiel zwischen Deutschland und Polen am kommenden Samstag in Chicago (Anwurf 20.05 Uhr (geplant), live in Sport1 ab 20.00 Uhr). Nicht zuletzt auch dank der Unterstützung seitens der TOYOTA HBL kam die Revanche des WM-Finales von 2007 jetzt in den USA zustande. Was sich der US-Verband davon erhofft und wie die TOYOTA HBL davon profitieren kann, darüber sprach Pastorino in einem ausführlichen Interview mit der HBL.

Hallo Herr Pastorino. In wenigen Tagen kommt es in Ihrer Heimat zur "Battle of Chicago", wenn Deutschland und Polen in einem Handball-Länderspiel aufeinandertreffen. Sind Sie gut vorbereitet?
Pastorino: Der US-Verband hat ein Büro in Chicago, das bereits seit einem Jahr diesen Event vorbereitet. Dieter Esch, Aufsichtsrats-Vorsitzender des Verbandes, und ich sind bereits vor einigen Tagen in Chicago angekommen, um die Mannschaften zu begrüßen und ihnen mit den letzten Details zu helfen. Für einen Event von solcher Größe und Bedeutung für den Handball in den USA fühlen wir uns gut vorbereitet. Ralf Uhding, Aufsichtsratsmitglied der TOYOTA HBL und des US-Verbandes hat die Dinge von Deutschland aus vorbereitet, gemeinsam mit seinem Pendant von der polnischen Handball-Federation. Wir sind bereit.

Der Verband ist in Salt Lake City beheimatet. Wie sind Sie ausgerechnet auf Chicago gekommen?
Pastorino: In Chicago lebt die größte Einwohnerschaft von polnisch- oder deutschsprechenden  Leuten. Die Stadt war Bewerber für Olympia 2016 und hat eine lange Historie, was große internationale Sportevents wie Boxen, Basketball oder die Fußball-WM 1994 betrifft. Wir hatten das Gefühl, das sei der beste Ort, Weltklasse-Handball in den USA zu präsentieren.

Demnach wird das UIC Pavillon voll sein?
Pastorino: Wir gehen fest davon aus, aber ein paar Tickets gibt es schon noch. Pascal Hens und seine Kollegen treten damit in die Fußstapfen von U2, Madonna, Michael Jordan, Venus & Serena Williams und Grateful Dead, die alle schon dort gespielt haben.

Welche Gäte erwarten Sie aus Deutschland?
Pastorino: Offizielle Gäste werden Frank Bohmann, Ralf Uhding, Andreas Rudolph, Dirk Schmaeschke, Reiner Witte sowie die Trainer und die Spieler sein. Die Stimme der Handball-WM 2007 in Deutschland, Dietmar Dunkmann, wird das Spiel in der Halle in deutscher und englischer Sprache begleiten. Auch der polnische Verbandspräsident und Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Andrzej Krasnicki, wird da sein. Gepfiffen wird das Match vom schwedischen Top-Gespann Michael Johansson und Jasmin Kliko. Sie sehen, wir sind absolut international bestückt.

Wer waren denn die treibenden Kräfte für diese Aktion?
Pastorino: Dieter Esch gebührt der Dank. Er hat den US-Handballverband wieder zum Leben erweckt. Er hatte die Visionen hinsichtlich der Partnerschaften mit den Verbänden aus Deutschland und Polen. Viele Leute in Deutschland haben viel dazu beigesteuert, dieses Match zu realisieren, unter anderem Bundestrainer Heiner Brand, HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann und Ralf Uhding. Ich persönlich verfüge über eine rund zehnjährige Erfahrung, Fußballspiele in den USA zu organisieren (Hamburger SV, Real Madrid, Boca Juniors, Frauen-WM) und ich weiß, dass sich Amerikaner für Weltklasse-Sportevents interessieren, auch wenn sie nicht hier erfunden wurden.

Nicht nur im deutschen und polnischen TV wird das Spiel zu sehen sein. Auch das US-Fernsehen zeigt die Partie live.
Pastorino: Die Rechtagentur SportFive erkannte das Potenzial dieses Länderspiels bereits vor Monaten und handelte mit Sport1 (früher DSF) und PolSat aus, dass dieses Spiel live in der Prime-Time in Europa ausgestrahlt wird. Wir haben uns für Comcast als Medienpartner entschieden, weil wir diesen großen olympischen Sport einem großen amerikanischen Publikum präsentieren wollen. Wir sind sicher, dass sich Millionen dieses Match ansehen werden. Ich freue mich auf die Einschaltquoten.

Die Kooperation mit dem Medienpartner Comcast Sports Net scheint demnach Früchte zu tragen.
Pastorino: Mit Ausnahme bei olympischen Spiele war Handball in den USA nie im Fernsehen zu sehen. Jetzt zeigt Comcast das Match live in unterschiedlichsten TV-Märkten. Es ist unglaublich wichtig, dass die Leute in Chicago, Philadelphia, San Francisco, Seattle, Atlanta, Washington DC und anderen großen US-Städten dieses Spiel und die Faszination, die vom Handballsport ausgeht, sehen können. Wir wissen, dass sich dieser Sport von allein verkaufen wird und uns neue Fans und neue Spieler für unsere Nachwuchsteams bescheren wird. Hier hilft die TV-Präsenz enorm.

Das ist das erste Mal, dass der Handballsport (klammern wir Olympia einmal aus) eine derart große Aufmerksamkeit in den US-Medien erfährt.
Pastorino: Ja, und sicher nicht zum letzten Mal. Wir haben große Ziele und wissen, dass es ein langer Weg ist.

Darf dieses Spiel als Startschuss für die Entwicklung des Handballsports in den USA gelten?
Pastorino: Natürlich. Es wird noch viele Spiele und viele Jahre dauern, aber wir müssen Handball zu einem Teil der amerikanischen Mentalität machen. Dieses Land liebt Football, Baseball und Basketball. Die Amerikaner interessieren sich für Fußball, Eishockey, Motorsport, Leichtathletik und viele andere Sportarten. Wir müssen nicht die Nummer eins in Amerika werden, aber wenn Handball die Lieblingssportart von nur von einem Prozent der US-Bürger die Lieblingssportart wird, haben wir drei Millionen neue Fans. Das Länderspiel ist hier ein Ausrufezeichen, das hinter vielen anderen Maßnahmen einer Gesamtstrategie steht.

Wie flankiert der Verband dieses Spiel, um den Werbeeffekt für den Handball möglichst konsequent zu nutzen?
Pastorino: Wir nutzen das Spiel, um Handball jungen Leuten, Managern von Jugend-Sportclubs, Hochschulteams, College-Sportprogrammen, usw., in Chicago vorzustellen. Wir haben parallel zum Aufenthalt des deutschen Teams die gesamte Woche ein Nationalmannschaftstraining, an dem vorwiegend Juniorenspieler teilnehmen werden. Alle Spieler werden die Gelegenheit haben, sich das Training der deutschen und der polnischen Mannschaft anzuschauen. Unsere Trainer werden an einem Seminar teilnehmen und dabei die Chance erhalten, Heiner Brand und den polnischen Trainer Bogdan Wenta zu treffen. Zu guter Letzt werden wir viele Sponsoren, mögliche neue Sponsoren, Spieler und Fans erreichen. Rund um das Spiel wird es einen Markt der Möglichkeiten geben, den wir nutzen werden.    

Hat der US-Verband bereits Partner gefunden?
Pastorino: Ja. Grundfos ist seit 2009 Sponsor des US-Verbandes. Das Unternehmen hat einen Nordamerika-Hauptsitz in der Nähe und eine Fertigungsstätte in Chicago. Wir hosten auch McDavid, einen neuen Sponsor des deutschen Handballs, der ebenfalls sein Hauptquartier in Chicago hat. SnapSports wird hier seinen Hallenboden präsentieren und einige Kunden mitbringen. Zudem arbeiten wir seit mehr als einem Jahr mit dem Frankfurter Reiseunternehmen Teamsportreisen zusammen. Firmenchef Karl Gladeck und weitere Mitarbeiter werden hier sein. Dank der Vermittlung des polnischen Verbandes wird auch Netz-Hersteller HUCK vor Ort sein.

In den USA werden Sportarten vor allem über das Fernsehen entwickelt. Wie wichtig sind demnach die Partnerschaften mit TV-Sendern und deren Vermarktern?
Pastorino: Die meisten Leute bei Comcast, anderen US-Fernsehsendern und Marketing-Agenturen wussten vor sechs Monaten kaum, was Handball ist. Aber wir erzählen die Geschichte, die dieser großartige Sport rund um die Welt genommen hat. Und wir vergleichen das Potenzial des Handballs mit dem Wachsen von Fußball in Amerika in den vergangenen 30 Jahren. Der Handballsport wird die Amerikaner mit seiner Schnelligkeit, seiner Physis, seinen Toren, seiner Action und wegen seiner Superstars beeindrucken. Jedes Mal, wenn wir in Agenturen die Power und die Attraktivität des Spiels vorstellen, waren die ganz aufgeregt und überlegten, wie sie uns dabei helfen könnten, diesen Sport zu promoten.

Hilft Ihnen die Kooperationsvereinbarung mit der TOYOTA Handball-Bundesliga?
Pastorino: Natürlich. Wir könnten all diese Dinge ohne die Hilfe der TOYOTA HBL nicht umsetzen. Und wir danken allen Klubs und deren Managern, dass sie es den Spielern ermöglicht haben, nach Chicago zu kommen. Wir haben viele Freunde in Hamburg, Flensburg, Mannheim, Berlin, Großwallstadt und andernorts. Ohne deren permanente UnterstÃützung wäre dieser Event nicht realisierbar gewesen.

Welche Chancen ergeben sich umgekehrt für die TOYOTA HBL?
Pastorino: Wir wollen mit Beginn dieser Saison die Spiele der TOYOTA HBL im US-TV übertragen. Wir bieten 300 Millionen potenzielle Zuschauer, und wir können behilflich sein, die Tür nach Kanada, Mexiko und Südamerika zu öffnen. Die TOYOTA HBL sollte ebenso bekannt sein wie die NBA, aber dazu ist es sehr wichtig, die USA, und einige hier ansässige Agenturen und Sportvermarkter hinter sich versammeln. Ich bin davon überzeugt, dass wir die TOYOTA HBL in den USA etablieren können, wir werden das uns Mögliche dazu tun.

Skizzieren Sie einmal die langfristige Strategie des Verbandes.
Pastorino: Damit  könnte ich ein eigenes Magazin füllen. Erst einmal ist es unser Ziel, bis 2012 rund 100.000 Kinder zum Handball zu führen. Gelingt es uns, diese Basis zu schaffen, können wir sie entwickeln und mit Wettkämpfen auf Jugend- und Juniorenebene beginnen. Diese Basis wird auch benötigt, um Sponsoren zu gewinnen. Bis dahin aber müssen wir uns auf Events wie dieses Länderspiel auf viele, viele Gespräche und auf unsere Website verlassen, um den Bekanntheitsgrad des Handballs im gesamten Land zu erhöhen. 2013 werden wir mit der Männer- und der Frauenmannschaft des Verbandes wieder an internationalen Veranstaltungen teilnehmen. In der Zwischenzeit werden wir amerikanische Spieler, mänlich und weiblich, ermutigen, nach Europa zu gehen und dort zu spielen. Schon in dieser Saison haben wir mehr als 20 amerikanische Handballer in Deutschland, die in Jugendmannschaften bis zur 3. Liga spielen, und einige andere in Dänemark, Island, Norwegen und anderen Ländern. Das wird ihre individuelle Entwicklung beschleunigen, bis unser Programm daheim erste Früchte trägt.

Die nationalen Meisterschaften finden bislang lediglich in Turnierform statt. Ist es denn realistisch, dass es eines Tages einen regulären und funktionierenden Ligabetrieb gibt?
Pastorino: In diesem Jahr nahmen bereits 30 Klubs an den US-Meisterschaften in Las Vegas teil. Die Topteams haben dabei auf erfahrene Spieler aus Kroatien, Deutschland, Spanien oder Kuba zurückgegriffen. Wir gehen davon aus, dass sich diese Veranstaltung weiter entwickeln wird, aber bis heute ist es ein Amateur-Event, das lediglich der Türöffner zu einem regulären Ligabetrieb sein kann.
Im kommenden Jahr möchten wir gerne vier Nationalteams zu einem Event ähnlich der "Battle of Chicago" einladen. Der darauf folgende Schritt soll die Einührung einer Profi-Sommer-Liga sein, in der auch junge europäische Topspieler spielen werden. Wir haben hervorragende Möglichkeiten, interessierte Sponsoren und Arena-Besitzer ohne Spiele im Sommer. Es ist gegenwärtig schwer, einen konkreten Fahrplan vorzugeben. Aber bitte bedenken Sie: Noch 1989 konnte sich keiner vorstellen, dass die USA einmal Gastgeber einer Fußball-Weltmeisterschaft sein sollten (das geschah 1994) oder dass Spieler wie Tim Howard (Everton), Kasey Keller und Michael Bradley (Mönchengladbach), Steve Cherundolo und andere eine solche Auswirkung auf den europäischen Fußball haben könnten. Das können wir im Handball auch schaffen.

Und die Nationalmannschaft der USA? In welche Leistungsgruppe darf man Ihr Team einordnen?
Pastorino: Unser bester in den USA geborener Spieler Gary Hines traf in der abgelaufenen Saison 2009/2010 rund 300 Mal. Eine wirklich tolle Ausbeute. Aber das war in der deutschen Oberliga beim Bayernligisten DJK Waldböttelbronn. Keith Fine, unser bester Keeper, hat sehr hart gearbeitet, aber dennoch nicht in der Regionalliga für Dormagen II gespielt. Wir verschaffen unseren Spielern verbesserte Trainingsmöglichkeiten, aber sie haben einen wirklich langen Weg vor sich. Eines Tages werden wir aufsteigende Adler sein, aber gegenwärtig sind wir noch die Küken in einem Nest.

Glauben Sie an Ihr großes Ziel WM 2013?
Pastorino: Wir werden unsere Entwicklung natürlich auch in Bezug auf die Weltmeisterschaften 2013 und 2015 messen. Im Fokus stehen aber die olympischen Spiele 2010. Unser vorrangiges Ziel ist es, sowohl unser Männer- als auch unser Frauen-Team für die olympischen Spiele 2016 an den Start zu bringen. Diese Qualifikation ist uns wichtig.  Dort wollen wir möglichst gut und ehrenvoll neben den europäischen Mannschaften abschneiden. Dafür wollen wir alles tun.

Quelle: TOYOTA Handball Bundesliga

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