Mit 318 Länderspielen und fast 1.000 Toren für den DHB ist Christian Schwarzer längst schon eine Ikone des deutschen Handballs. Seit Sommer vergangenen Jahres spielt Blacky nicht mehr. Dafür kümmert er sich im Auftrag des Verbandes um den Nachwuchs. Der 40-Jährige ist Jugendkoordinator des Deutschen Handballbundes und seitdem auf der Suche nach den künftigen Stars. Im Februar absolvierte er gleich zwei Sichtungslehrgänge in Kiel und in Heidelberg mit jeweils 120 Spielern. Zu Beginn dieser Woche ist er mit der DHB-Jugend zu einer Länderspielreise nach Ägypten aufgebrochen.
Frage: Seit knapp einem Jahr sind Sie nun Jugendkoordinator des Deutschen Handballbundes. Haben Sie nach Ihrer langen und erfolgreichen Karriere das gefunden, was Sie ausfüllt?
Schwarzer: Das ist viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. Unter dem Titel DHB-Jugendkoordinator konnte ich mir anfangs nur wenig vorstellen, da ich viel eher ein Mann der Praxis bin. Aber da ich ja nun gemeinsam mit Heiko Karrer, und auf Wunsch von Heiner Brand, die U 18 des DHB betreue, kann ich auch noch richtig als Trainer arbeiten. Das ist eine Konstellation, wie ich sie mir besser nicht vorstellen kann.
Frage: Sie hatten jüngst in Kienbaum und in Heidelberg Ihre ersten großen Nachwuchscastings. Drängte sich da jemand auf?
Schwarzer: Ich will es so sagen: Einen neuen Nikola Karabatic habe ich nicht entdeckt. Dennoch gibt es zahlreiche talentierte Handballer in diesem 94er-Jahrgang. Was mich überrascht hat, war die Menge an hervorragenden Linkshändern im rechten Rückraum. Auch aus diesem Jahrgang kann man was richtig Gutes machen.
Frage: Auch Daniel Stephan war dank Ihrer Einladung vor Ort. Gibt es Überlegungen, den ehemaligen Welthandballer in die Nachwuchsarbeit des DHB einzubinden?
Schwarzer: Mal schauen, was da passiert. Ich hatte in Kienbaum ja auch schon Markus Baur dabei. Beide haben, glücklicherweise für mich, gegenwärtig nicht wirklich viel zu tun. Ich kenne die Jungs, ich habe Vertrauen zu ihnen, ich bin mit denen befreundet. Das möchte ich für meine Arbeit gern nutzen. Es war auf jeden Fall schon mal ein guter Anfang.
Frage: Auch die Liga hat sich die Nachwuchsarbeit auf die Fahne geschrieben. Wie sehr hilft Ihnen das Jugendzertifikat in Ihrer täglichen Arbeit?
Schwarzer: Die Spieler, mit denen ich gerade auf dem Weg nach Ägypten bin, um dort einige Test-Länderspiele zu absolvieren, kommen ja zu einem nicht unbedeutenden Teil aus den Leistungszentren und Internaten der Erst- und Zweitligisten. Insofern hilft mir das sehr, da ich weiß, dass sie in den Klubs gut aufgehoben sind. Das Jugendzertifikat gibt die Voraussetzungen vor, die erfüllt werden müssen. Da ich die Jungs ja nicht jeden Tag im Training habe, bin ich auf die Vereine und ihre Trainer angewiesen. Das hilft mir schon sehr.
Frage: Die Hbl veranstaltet Anfang April in Berlin den Rookie-Cup für die Nachwuchsmannschaften der Erstligisten. Werden Sie vor Ort sein und die Möglichkeit der Nach-Sichtung nutzen?
Schwarzer: Natürlich werde ich das Ganze intensiv nutzen. Es ist eine hervorragende Gelegenheit, einmal alle Talente zu sehen. Die Gefahr ist eben da, dass der eine oder andere bei einem einzigen Sichtungslehrgang durchs Raster fällt, weil dort eine Wahnsinnsflut an Informationen und Spielern auf einen einströmt. Ich habe in den vergangenen vier Wochen 240 Nachwuchsspieler gesehen, die die Zukunft des Handballs sein sollen.
Frage: Was ist mit den Jugendcamps?
Schwarzer: Das sind Freizeitcamps, die auf Handball ausgerichtet sind. Auch da nutze ich die Gelegenheit, um mir junge Spieler anzuschauen.
Frage: Klingt nach reichlich Beschäftigung.
Schwarzer: Das ist auch so. Ich werde auch am Jugendtrainer-Symposium der HBL teilnehmen, weil da in engem Schulterschluss zwischen Verband und Liga die Dinge koordiniert werden. Zudem bereite ich gerade den Spezial-Lehrgang für Kreisläufer vor, den wir gerne noch im April oder Mai durchführen wollen.
Frage: Wann ist denn mit den ersten Früchten Ihrer Arbeit zu rechnen?
Schwarzer: Meine Jungs hängen sehr stark davon ab, wie es nach der Jugendzeit weitergeht und wo sie unterkommen. Wenn ich mir die Junioren-Weltmeister von 2009 anschaue, dann sehe ich einen Patrick Groetzki bei den Rhein-Neckar Löwen, einen Steffen Coßbau in Magdeburg, einen Kristian Nippes in Dormagen und einen Andrej Kogut in Düsseldorf. Für alle anderen wird es schwer. Viel hängt davon ab, ob es ein Engagement bei einem Erstligisten gibt, und ob der junge Mann dann auch entsprechend Spielanteile bekommt.
Frage: Obwohl Sie schon lange nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen und auch Ihre Bundesligakarriere beendet haben, ist Ihr Werbewert noch immer groß. Die Firma Rehband, ein Bandagen-Hersteller hat Sie als Ihr Testimonial ausgesucht. Warum?
Schwarzer: Ich bin der Marke während meiner ganzen Karriere treu geblieben. Nicht zuletzt deshalb ist Rehband auf mich zugekommen. Ich freue mich sehr über diese Partnerschft.