Als DFB-Präsident Theo Zwanziger am frühen Morgen in Zürich eintraf, hingen graue Regenwolken über der Zentrale des Fußball-Weltverbandes. So miserabel wie das Wetter bei Zwanzigers Premiere im FIFA-Vorstand präsentierte sich zuletzt auch der in Schieflage geratene Verband mit seinem Chef Joseph Blatter.
Korrupte Top-Funktionäre, Diskussionen um Bestechung bei den WM-Vergaben an Russland und Katar oder die lebenslange Sperre für den früheren Präsidentschaftskandidaten und ehemaligen Blatter-Getreuen Mohamed bin Hammam haben die FIFA in die schlimmste Krise ihrer Geschichte schlittern lassen. Nach seiner Wiederwahl beim skandalträchtigen Kongress Anfang Juni kündigte Blatter weitreichende Reformen an und trägt seither die Forderung nach "Zero Tolerance" und "Transparenz auf allen Ebenen" wie eine Monstranz vor sich her.
Nun muss er sich an seinen Worten messen lassen, kann aber schon in seinem eigenen Exekutivkomitee auf erbitterten Widerstand stoßen. Der Unterstützung der Europäer mit dem Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und UEFA-Präsident Michel Platini kann sich Blatter sicher sein. "Ich habe den Eindruck, Herr Blatter ist wirklich motiviert, etwas zu verändern", sagte Platini. Nun müsse man die Sitzung des Exekutivkomitees abwarten, betonte der Franzose nach einem Treffen mit seinen europäischen FIFA-Kollegen im noblen Züricher Hotel Baur au Lac. "Mal sehen, was passiert."
Unmittelbar vor dem Treffen des umstrittenen FIFA-Vorstandes, der sich um 14.00 Uhr bei plötzlich sonnigem Wetter im Home of FIFA hinter verschlossenen Türen versammelte, zeigte sich Platini erwartungsvoll: "Wir hoffen, dass das, was Blatter versprochen hat, nicht nur Ideen bleiben, sondern Tatsachen werden."
Zwanziger feierte als Nachfolger von Franz Beckenbauer seine Premiere auf der Regierungsbank des Weltfußballs. Der Jurist hatte nach Blatters Wiederwahl vehement Veränderungen bei der FIFA angemahnt und sich als Aufklärer angeboten und positioniert.
Doch viele der Top-Funktionäre im Vorstand sind schwer belastet und für eine vermeintlich saubere FIFA ungeeignet. Der Brasilianer Ricardo Teixeira sieht sich neuen Bestechungsvorwürfen in der Heimat ausgesetzt, der Argentinier Julio Grondona wurde gerade trotz Korruptionsvorwürfen als nationaler Verbandschef wiedergewählt.
Diese Dinosaurier, wie sie gerne spöttisch genannt werden, dürften nur bedingtes Interesse an bedingungsloser Aufklärung und schonungsloser Transparenz an den Tag legen. Schließlich könnten mutmaßlich schmutzige Geschäfte ruchbar werden. DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte sich nach dem Treffen mit seinen europäischen Exko-Kollegen nicht detailliert zu seinen Erwartungen äußern, zeigte sich aber "vorsichtig optimistisch, dass es uns gelingen wird, die Glaubwürdigkeit im Fußball wiederherzustellen".