"Welche Spieler sind vielleicht getrieben von zu viel Neid? Wer hat den langen Atem? All diese Dinge sind wichtig. Denn wir sind bei einer EM oder WM mit 60 bis 70 Leuten acht Wochen auf einem ganz engen Raum beisammen", sagte der Fußball-Bundestrainer in Interviews mehrerer Zeitungen.
Vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine im kommenden Sommer will der 51-Jährige deshalb auch darauf achten: "Welche Spieler können der Mannschaft Energie geben? Welche Spieler sind Frust-tolerant, wenn sie mal nicht spielen? Welche Spieler können dem Konkurrenzkampf standhalten und ihn fördern", beschrieb Löw seine Kriterien.
Seinem derzeitigem Personal stellte der DFB-Chefcoach einwandfreie Charakterzüge aus. "Ich sehe keinen ausgesprochenen Egoisten in unserer Mannschaft, der seine ganze Konzentration darauf abstimmt, selber gut auszusehen, oder immer selbst die Tore zu machen. Ich sehe bei uns ein sehr gutes Team, in dem niemand sich persönlich in den Vordergrund schiebt", sagte Löw. Im Mai wird Löw seinen Kader für das EM-Turnier benennen. Zuvor steht am 29. Februar in Bremen gegen Frankreich noch ein sportlicher Test auf dem Programm.
Angesichts des zunehmenden Drucks und der jüngsten Burnout-Fälle im Profifußball plädierte Löw für professionelle Unterstützung. "Es tut auch gut, sich mal von außen beobachten zu lassen, sein Tun zu reflektieren und Hilfe auch anzunehmen, sei es in Form von Sportpsychologen oder Gesprächstherapien", sagte er. Löw glaubt nicht, dass Druck ein spezielles Problem des Profifußballs ist, sondern dass alle Teile der Gesellschaft betroffen sind.
Er selbst spüre auch Druck, ihm helfe aber "eine gewisse Distanz zum Fußball". Deswegen versuche er seinen privaten Bereich "abzuschotten, so gut es geht". Geholfen hat ihm auch ein besseres Zeitmanagement und die bewusste Beschränkung seiner Arbeitszeit im heimischen Büro, ohne Ablenkung durch Mails oder Telefon. "Irgendwann habe ich mir gesagt, wenn ich zu Hause bin, dann mache ich alles aus und arbeite vier, fünf Stunden sehr konzentriert. Danach gehe ich einen Kaffee trinken oder ein bisschen Fußball spielen."
Wichtig sei ihm, sein Umfeld und Aufgaben delegieren zu können. "Meine engsten Mitarbeiter im Trainerteam kennen alle meine Stärken und Schwächen. Früher habe ich geglaubt, immer alles selbst zu können und machen zu müssen", erklärte Löw. "Ich weiß, dass es in meinem Stab Mitarbeiter gibt, die in manchen Bereichen besser sind als ich. Denen vertraue ich." Diese würden auch kritisch etwas hinterfragen und ihm sagen: "Das geht jetzt in die falsche Richtung. Das ist die Stärke in unserem Team."
Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft stehen folgende Termine im Kalender:
| 7. Mai | Löw nominiert EM-Kader in Rastatt |
| 11. bis 18. Mai | Regenerations-Trainingslager auf Sardinien |
| 18. - 30. Mai | Trainingslager in Südfrankreich |
| 26. Mai | Länderspiel gegen die Schweiz in Basel |
| 29. Mai | Meldeschluss für den 23-köpfigen EM-Kader |
| 31. Mai | Länderspiel gegen Israel in Leipzig |
| 8. Juni - 1. Juli | EM-Endrunde in Polen und Ukraine |
| 15. Aug. | Länderspiel gegen Argentinien in Frankfurt |
| 7. Sep. | WM-Qualifikationsspiel gegen Färöer Inseln in Hannover |
| 11. Sep. | WM-Qualifikationsspiel auswärts gegen Österreich |
| 12. Okt. | WM-Qualifikationsspiel auswärts gegen Irland |
| 16. Okt. | WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden in Berlin |
| 14. Nov. | Länderspiel gegen die Niederlande in Amsterdam |
| 6. Feb. 2013 | Länderspiel gegen Frankreich (Ort offen, in Frankreich) |
| 22. März 2013 | WM-Qualifikationsspiel auswärts gegen Kasachstan |
| 26. März 2013 | WM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan in Nürnberg |
| 6. Sep. 2013 | WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in München |
| 10. Sep. 2013 | WM-Qualifikationsspiel auswärts gegen Färöer Inseln |
| 11. Okt. 2013 | WM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Köln |
| 15. Okt. 2013 | WM-Qualifikationsspiel auswärts gegen Schweden |
| 5. März 2014 | Länderspiel gegen Italien (Ort offen, in Italien) |
(Stand: April )
162 Länderspiele - 92 Siege, 26 Unentschieden, 44 Niederlagen; Weltmeister 1954
2. Helmut Schön (1964 bis 1978):
139 Länderspiele - 87 Siege, 30 Unentschieden, 22 Niederlagen; Europameister 1972, Weltmeister 1974
3. Jupp Derwall (1978 bis 1984):
67 Länderspiele - 45 Siege, 11 Unentschieden, 11 Niederlagen; Europameister 1980
4. Franz Beckenbauer - Teamchef (1984 bis 1990):
66 Länderspiele - 36 Siege, 17 Unentschieden, 13 Niederlagen; Weltmeister 1990
5. Berti Vogts (1990 bis 1998):
102 Länderspiele - 67 Siege, 23 Unentschieden, 12 Niederlagen; Europameister 1996
6. Erich Ribbeck (1998 bis 2000):
24 Länderspiele - 10 Siege, 6 Unentschieden, 8 Niederlagen
7. Rudi Völler (2000 bis 2004)
28 Länderspiele - 18 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen
8. Jürgen Klinsmann (2004 bis 2006)
33 Länderspiele - 21 Siege, 6 Unentschieden, 6 Niederlagen
9. Joachim Löw (seit August 2006)
76 Länderspiele - 52 Siege, 13 Unentschieden, 11 Niederlagen
(Stand: Februar 2012)