Punktsieg für Herausforderer Philipp Lahm, Rückschlag für Platzhirsch Michael Ballack: Bundestrainer Joachim Löw verzichtet zum Auftakt der EM-Qualifikation aufgrund mangelnder Fitness auf den "Capitano" und geht der heiklen K-Frage in der deutschen Nationalmannschaft damit weiter aus dem Weg. Gegen Belgien am 3. September in Brüssel und vier Tage später gegen Aserbaidschan in Köln wird wie bei der WM in Südafrika der Münchner Verteidiger Lahm die Kapitänsbinde tragen.
Das teilte Löw Ballack unter der Woche in einem Telefonat mit. "Es war ein gutes und vertrauensvolles Gespräch. Michael ist drei Monate nach seiner schweren Verletzung auf einem guten Weg und alle sind mit dem Genesungsprozess zufrieden. Wichtig wird nun sein, dass er in den nächsten Wochen in Leverkusen zu seiner optimalen Form zurückfindet", sagte Löw, der seine endgültige Entscheidung in der Kapitänsfrage ursprünglich für Anfang September angekündigt hatte.
Löw hat Zeit bis Oktober
Durch das Fehlen von Ballack gegen Belgien und Aserbaidschan kann sich der Bundestrainer nun aber noch bis Oktober Zeit lassen, ehe er entscheidet, ob Lahm auch in Zukunft weiter die Spielführerbinde in der DFB-Auswahl überstreifen darf. Ballack hatte nach seinen ersten beiden Pflichtspielen für seinen neuen Klub Bayer Leverkusen zuletzt bekundet, dass er eine Nominierung für die beiden ersten Spiele in der Qualifikation für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine sehr begrüßen würde, um weiter Spielpraxis zu sammeln.
Allerdings hatte auch der frühere DFB-Teamchef Rudi Völler seinem Leverkusener Schützling Ballack zum aktuellen Zeitpunkt von einer Teilnahme an der Länderspielreise abgeraten. "Alle Augen würden sich nur auf ihn richten. Michael muss doch praktisch den Eckball schießen, schnell reinrennen und dann den Ball ins Tor köpfen, damit der Beweis erbracht ist, dass er wirklich fit ist - abgesehen davon, dass der Schiedsrichter das Tor nicht anerkennen würde", meinte Bayer-Sportchef Völler.
17 WM-Fahrer nominiert
Löw nominierte insgesamt 17 WM-Fahrer für den Auftakt der EM-Qualifikation. Zudem gehören Heiko Westermann, Christian Träsch und Sascha Riether dem Kader an. Seine Rückkehr ins DFB-Team feiert erwartungsgemäß Leverkusens Schlussmann Rene Adler, der wegen einer Rippenverletzung seine WM-Teilnahme absagen musste. "Ich freue mich sehr, nach der Zwangspause wieder bei den Jungs zu sein. Wenn man fester Bestandteil der Nationalmannschaft gewesen ist und durch eine Verletzung zurückgeworfen wurde, ist es schön, wieder zurückzukommen", sagte der Keeper. Adler geht mit Blick auf die EURO 2012 in Polen und der Ukraine derzeit hinter den ebenfalls berufenen Manuel Neuer und Tim Wiese ins Rennen um die Nummer eins im deutschen Tor.
"Es war für uns eine Selbstverständlichkeit, dass Rene Adler zurückkehrt. Nach seiner Operation hat er in seinen bisherigen Einsätzen im Verein unter Beweis gestellt, dass er in guter Form ist", sagte Löw, der mit zwei Siegen starten will: "Wir streben natürlich einen erfolgreichen Start in die EM-Qualifikation an und wollen in beiden Begegnungen an unsere Leistungen bei der WM anknüpfen."
Tasci nicht dabei
Aus dem 23-köpfigen WM-Aufgebot fehlen die verletzten Arne Friedrich, Jerome Boateng, Piotr Trochowski, Dennis Aogo und Thomas Hitzlsperger, der beim 2:2 in Dänemark die DFB-Notelf als Kapitän aufs Feld geführt hatte. Innenverteidiger Serdar Tasci, der beim VfB Stuttgart derzeit nur auf der Bank sitzt, wurde wegen fehlender Spielpraxis nicht nominiert.
"Wir streben natürlich einen erfolgreichen Start in die EM-Qualifikation an und wollen in beiden Begegnungen an unsere Leistungen bei der WM anknüpfen", sagte Löw, für den mit den Spielen gegen Belgien und Aserbaidschan eine neue "Zeitrechnung" beginnt: "Nach dem Saisonauftakt mit dem Länderspiel in Dänemark, das aus terminlichen Gründen unter besonderen Vorzeichen stand, starten wir nun mit unserem Team in eine neue Etappe. So schön die Lobeshymnen auf unsere WM-Auftritte waren - für alle beginnt der nächste Abschnitt mit interessanten Herausforderungen." - Das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die EM-Qualifikationsspiele gegen Belgien (3. September) und Aserbaidschan (7. September).
Hamburg - Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft stehen folgende Termine im Kalender:
(Stand: Oktober 2011)
| 11. November 2011 | Länderspiel gegen Ukraine in Kiew |
| 15. November 2011 | Länderspiel gegen die Niederlande in Hamburg |
| 29. Februar 2012 | Länderspiel gegen Frankreich in Bremen |
| 11. bis 18. Mai 2012 | Regenerations-Trainingslager auf Sardinien |
| Mai 2012 | Trainingslager in Südfrankreich mit zwei Länderspielen |
| 8. Juni bis 1. Juli 2012 | EM-Endrunde in Polen und Ukraine |
| 15. August 2012 | Länderspiel gegen Argentinien (Ort offen, in Deutschland) |
| 6. Februar 2013 | Länderspiel gegen Italien (Ort offen, in Italien) |
| 5. März 2014 | Länderspiel gegen Frankreich (Ort offen, in Frankreich) |
1. Sepp Herberger (1936 bis 1964):
162 Länderspiele - 92 Siege, 26 Unentschieden, 44 Niederlagen; Weltmeister 1954
2. Helmut Schön (1964 bis 1978):
139 Länderspiele - 87 Siege, 30 Unentschieden, 22 Niederlagen; Europameister 1972, Weltmeister 1974
3. Jupp Derwall (1978 bis 1984):
67 Länderspiele - 45 Siege, 11 Unentschieden, 11 Niederlagen; Europameister 1980
4. Franz Beckenbauer - Teamchef (1984 bis 1990):
66 Länderspiele - 36 Siege, 17 Unentschieden, 13 Niederlagen; Weltmeister 1990
5. Berti Vogts (1990 bis 1998):
102 Länderspiele - 67 Siege, 23 Unentschieden, 12 Niederlagen; Europameister 1996
6. Erich Ribbeck (1998 bis 2000):
24 Länderspiele - 10 Siege, 6 Unentschieden, 8 Niederlagen
7. Rudi Völler (2000 bis 2004)
28 Länderspiele - 18 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen
8. Jürgen Klinsmann (2004 bis 2006)
33 Länderspiele - 21 Siege, 6 Unentschieden, 6 Niederlagen
9. Joachim Löw (seit August 2006)
69 Länderspiele - 48 Siege, 11 Unentschieden, 10 Niederlagen