Champions-League Achtelfinale: FC Basel - FC Bayern München: Mittwoch 20:45
Der FC Bayern durchlief schon bessere Phasen in dieser Saison. So dominant der deutsche Rekordmeister anfänglich aufgetreten ist und die Konkurrenz eigentlich nur über die Plätze hinter dem Team von Trainer Jupp Heynckes diskutiert hat, so unbeständig und zeitweise ideenlos präsentieren sich die Münchner derzeit in der Bundesliga.
Bayern benötigen Leistungssteigerung
Vielleicht kommt da die Champions-League-Begegnung mit den Eidgenossen gerade recht. Vielleicht benötigen die Bayern "wichtige" Spiele, um ihre Konzentration im Gegensatz zu Partien wie dem trostlosen 0:0 beim Ligaschlusslicht SC Freiburg bei 100 % zu halten? Man muss vorsichtig sein, beim Rekordmeister sofort von einer Krise zu sprechen, wenn mal zwei Spiele in Folge nicht gewonnen werden. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Leistung der Mannschaft derzeit fernab davon ist, wozu sie erwiesenermaßen imstande ist. Hinzu kommen Störfeuer wie die Diskussion um den momentan zum Ersatzspieler degradierten Superstar Arjen Robben. Wie lange der Holländer seine Situation hinnehmen wird, ohne Druck zu machen, bleibt abzuwarten. Andere Leistungsträger wie der WM-Torschützenkönig Thomas Müller und auch Toni Kroos rufen darüber hinaus aktuell nicht ihr volles Leistungsvermögen ab. Wenn zudem mit Bastian Schweinsteiger der absolute Leeder der Truppe wiederum ausfällt und die Mannschaft nicht zu überzeugen weiß, entsteht der Verdacht, dass der Rekordmeister zumindest auf manchen Positionen nicht doppelt gut besetzt ist.
Erst ManU, dann die Bayern?
Jupp Heynckes appelliert vor dem Spiel gegen den FC Basel auf der Pressekonferenz an seine Mannschaft: "Wir dürfen nicht an irgendwelche Dinge denken, die im Mai passieren" im Hinblick darauf, dass das Champions-League-Finale dieses Jahr in der Allianz-Arena in München stattfindet und so mancher Spieler mit den Gedanken zeitweise nicht so richtig bei der Sache zu sein scheint. Wegen mangelhafter Einstellung ist wahrscheinlich auch das englische Aushängeschild Manchester United an den Baslern gescheitert, die keines der beiden Gruppenspiele gegen den Gegner der Bayern gewinnen konnten und mit der Niederlage im letzten Gruppenspiel in Basel (2:1) sensationell in der Gruppenphase der Champions-League ausschieden. In diese Kerbe schlug auch Uli Hoeneß, als er vor dem Abflug mit folgenden Worten mahnend den Zeigefinger hob: "Unsere Mannschaft ist sehr gut beraten, das Spiel sehr ernst zu nehmen. Basel hat sich schließlich in der Königsklasse jüngst als Manchester-United-Schreck einen Namen gemacht." Der FC Basel verlor nur eines der sechs Gruppenspiele in der schweren Gruppe mit dem Erstplatzierten Benfica Lissabon und eben Manchester United und tritt mit dem ehemaligen Bundesligaspielern Alexander Frei und Marco Streller sowohl spiel- als auch kampfstark auf. Basel ist seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen. "Wir haben eine kleine Chance und wir wollen sie nützen, wie wir das gegen Manchester getan haben", sagte der Trainer Heiko Vogel, der im Oktober seinen zum HSV abgewanderten deutschen Landsmann Thorsten Fink beerbt hatte und mit Markus Hoffmann über einen österreichischen Co-Trainer verfügt.
Bayerns Kampf gegen das Krisengerede
Der FC Bayern kann in diesem Duell nur verlieren! Nimmt der Rekordmeister die Hürde FC Basel und schafft den Einzug ins Viertelfinale wird jeder von einer klaren Angelegenheit sprechen. Scheitert die selbsternannte beste Mannschaft Deutschlands allerdings an den Eidgenossen, wäre es eine riesen Blamage für die Münchner und der Umgangston verschärfte sich, zumal man in der Liga mittlerweile der Konkurrenz aus Dortmund schon mit vier Punkten Abstand hinterherhechelt. Das Team von Jupp Heynckes kann sich nicht darauf verlassen, die individuell besseren Spieler zu haben; davon ist Manchester auch ausgegangen - wohin es geführt hat, ist bekannt.
ÖFB-Teamspieler Aleksandar Dragovic sieht die Sache realistisch und bezeichnet sein Team als krassen Außenseiter, fügt jedoch hinzu, dass im Hinspiel in Basel der Grundstein für eine mögliche Sensation gelegt werden soll. Gegen die vor allem auswärts derzeit schwächelnden Bayern (nur vier der letzten zwölf Auswärtspflichtspiele wurden gewonnen) ist dies durchaus im Bereich des Möglichen.
von Tarek Khamis