Aktueller Gegner Spanien

Spanien will es wieder tun

Als großer Favorit auf den Titel ist Spanien in das WM-Turnier in Südafrika gegangen und konnte dieser Rolle allerdings schon sehr früh nicht gerecht werden.

Bei der Erwähnung der spanischen Nationalmannschaft zucken in Deutschland die Fußballfans zusammen. Dabei sieht die Bilanz der deutschen Elf gegen Spanien gar nicht so schlecht aus. Lediglich das Europameisterschaftsfinale gilt als die einzige schwarze Sternstunde des deutschen Teams gegen Spanien.
Keine zwei Jahre nach eben diesem Finale trifft man wieder bei einem großen Turnier in einem der entscheidenden Spiele aufeinander. Und die Ausgangslagen könnten nicht unterschiedlicher sein...

Spanien mit Problemen im Turnierverlauf

Als großer Favorit auf den Titel ist man in das WM-Turnier in Südafrika gegangen und konnte dieser Rolle allerdings schon sehr früh nicht gerecht werden. Mit einer historischen Niederlage gegen die Schweiz ist man mit 0 Punkten in das Turnier gegangen und stand schon von Anfang an unter enormen Druck und mit dem Rücken zur Wand. Nichts war zu sehen von der spanischen Dominanz und Abgeklärtheit, die sie rund um die Zeit der Europameisterschaft 2008, der Qualifikation sowie Vorbereitung zur Weltmeisterschaft 2010 ausgezeichnet hatte. Wildes drauflos spielen ohne jeglichen spielerischen Ansatz prägten das Bild der Gruppenphase. Nur ab und an konnten sie mit ihrem Können aufblitzen.

Auch im weiteren Gruppenverlauf waren die Siege gegen Honduras und Chile keine Selbstläufer. Hatte man sogar noch Glück, völlig desorientierte Schiedsrichter zugesprochen zu bekommen, die Tätlichkeiten, Schwalben und andere kleinere Fouls übersehen haben. So hätte zum Beispiel ein David Villa, der Spanien mit seinen fünf Toren in das Halbfinale schoß, schon längst im Flieger nach Hause sitzen müssen nach seinem nicht geahndeten Schlag ins Gesicht seines hondurianischen Gegners.

Ein mühevolles 2:0 stand nach dem Spiel gegen den Fußballzwerg Honduras auf dem Arbeitspapier. In Spiel drei gegen Chile ging es dann um das blanke Überlegen. Frankreich und Italien schieden schon mit absolutem Anti-Fußball aus und Europameister Spanien drohte ebenfalls das Aus. Ein Sieg musste her und das kam er auch. Allerdings auch im dritten Spiel gab es keine Galavorstellung der "El Roja". Chile war über weite Strecken des Spiels die klar bessere Mannschaft und hatte Spanien mehrmals am Rande der Niederlage. Durch ein Abseitstor sicherten sich die Spanier dann einen 2:1 Sieg.

Fehlende Spielintelligenz in der KO-Phase

Der weg durch die KO-Phase war vergleichsweise einfach. Im Achtelfinale traf man auf die Koordinationslosen Portugiesen und im Viertelfinale warteten die überraschend aufopferungsvoll kämpfenden Paraguayer. Gegen Portugal war es ein verhältnismäßig langweiliges Spiel. Lange Zeit wurde der Ball nur hin und hergeschoben und Torraumszenen waren Mangelware. David Villa markierte dann in der 63. Minute im vielleicht schlechtesten aller WM-Spiele die 1:0 Führung, die dann gleichzeitig auch den Sieg bedeutete. Insbesondere die sonst so sattelfeste Defensive der Spanier zeigte bei diesem Turnier einige Schwächen und wäre bei konsequenter Nutzung der Chancen durch die Gegner schon des öfteren bezwungen worden. Im Halbfinale gegen die im Abschluss starken und effizienten Deutschen darf sich Spanien nicht allzu viele Böcke erlauben.

Im Viertelfinale gegen Paraguay dann fast das Aus. Die Paraguayer setzten von Anfang an gut dagegen und gingen sogar fast mit 1:0 in Führung. Spanien im Glück, denn das Tor von Valdez hätte zählen müssen.
Paraguay dann später kurz vor Schluss noch einmal mit Pech. Einen Strafstoß, verursacht von Busquets, verschoss Cardozo, doch der Elfmeter hätte wiederholt werden müssen, denn drei Spanier liefen zu früh in den Strafraum.
Im Gegenzug der Elfmeter für Spanien. Sie trafen, doch dieses Mal ließ der Schiedsrichter den Elfmeter korrekterweise wiederholen. Auch hier liefen Spieler zu früh rein. Der Keeper hielt und es blieb beim 0:0.
Die Entscheidung kam erst in der 83. Minute. Villa setzte den Ball an den rechten Pfosten, von wo aus der Ball zunächst an den linken Pfosten flog und dann ins Tor trudelte. Spanien konnte die Führung über die Zeit bringen, ermöglichte Paraguay allerdings noch einige Chancen.
Spanien qualifizierte sich für das Halbfinale, konnte aber zu fast keinem Zeitpunkt glänzen.

Enorme Qualität im Kader

Trotz alle dem können die Spanier das wohl momentan beste Nationalteam aufbieten. Besonders die große Dichte an Spielern, die in dem ein und dem selben Verein spielen, machen jede Menge Vorgänge wesentlich leichter. Eine Situation, die mit dem Bayern-Block im deutschen team zu vergleichen ist. Zudem ist man auf fast jeder Position mit Weltklasse Spielern bestückt und kann es sich sogar leisten, Spieler wie Cesc Fabregas auf der Bank schmoren zu lassen. Ein Spieler, der wohl in fast jeder der 31 anderen Nationalmannschaften zum Stammpersonal gehören würde.

Besonders der Barca-Block ist besonders wichtig für das geschlossene Auftreten der spanischen Nationalmannschaft. Gegen Paraguay spielten zum Beispiel fünf Barca-Stammkräfte in der spanischen Stammformation. Besonders Carles Puyol in der Defensive ist ein wichtiger Baustein. Er hält die Defensive zusammen und besticht seit Jahren mit konstant hohen Leistungen. Neben ihm darf Gerard Pique verteidigen, der als wohl die größte Schwachstelle angesehen werden kann. Besonders seine fehlende Grund- und Endschnelligkeit könnte ihm gegen die schnellen deutschen Spieler Probleme bereiten.

Im Zentralen Mittelfeld darf das geniale Duo um Xavi und Andres Iniesta auflaufen. Die beiden verkörpern bereits seit Jahren das erfolgreiche Spiel vom FC Barcelona und gelten als die beiden Spieler, die nahezu fehlerfrei spielen und das seit Jahren. Besonders ihre Fähigkeiten im Passspiel sind fast unerreichbar. Fast jeder Ball findet seinen Abnehmer, dabei ist es egal, ob das Spiel schnell gemacht wird, das Tempo herausgenommen wird oder das feinste Kurzpassspiel zelebriert wird.

Im Sturm ist vor allem der lauffreudige David Villa gefürchtet. Villa schoss bereits fünf Tore, hat aber wie schon bereits gesagt sehr viel Glück gehabt, dass er nicht schon gesperrt zu Hause sitzt. Nichtsdestotrotz ist er auf dem Platz sehr aktiv und weicht sehr gerne auf die Flügel aus. Eine Eigenschaft, die ihn sehr unberechenbar macht. Sein Sturmpartner Fernando Torres, der 2008 das entscheidende Tor schoss, spielt eine völlig verkorkste Weltmeisterschaft. Dies ist aber auch zurückzuführen auf seine Verletzung, die er erst kurz vor dem Turnier auskurieren konnte.

Deutschland ohne Müller, aber trotzdem zuversichtlich

Für die Deutschen kam es im Viertelfinale ganz böse. Thomas Müller holte sich seine zweite gelbe Karte ab und muss im Halbfinale pausieren. Sein Verlust für das deutsche Spiel ist enorm, gehört er doch zu den Dreh- und Angelpunkten der deutschen Offensive. Eine Tatsache, die vor einem Monat gar nicht zu denken war. Allerdings auch vorhersehbar war. Spielte er zum Beispiel unter Bayern-Trainer Louis van Gaal eine der entscheidenden Rollen beim FC Bayern und Jose Mourinho lobte ihn nach seiner ersten Profisaison in den allerhöchsten Tönen.

Trotz seines Ausfalles sind die Deutschen aber recht zuversichtlich. Nach dem bisherigen Turnierverlauf brauch man sich vor niemandem verstecken und könnte es sogar wegstecken und schaffen, Piotr Trochowski, der für Müller höchstwahrscheinlich nachrücken würde, einzubauen. Auch Joachim Löw blickt positiv auf die Partie, weiß allerdings auch um die spanischen Stärken: "Spaniens Spieler sind eingespielt, sie kennen sich in- und auswendig. Die Mannschaft macht kaum Fehler. Wir haben aber genug Selbstbewusstsein. Wir wissen auch, dass wir sehr viel Kraft und Kreativität haben. Wenn wir es schaffen, die Spanier in ihrem Spiel zu stören, haben wir gute Chancen. Wir hatten im Finale 2008 nicht die Konstanz und waren nicht mit der spielerischen Klasse versehen, die wir jetzt haben. Wir haben intensiv daran gearbeitet, der Spielfluss und die Spielstruktur sind deutlich besser geworden."

Mögliche Aufstellung Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, A. Friedrich, Boateng - Khedira, Schweinsteiger - Trochowski, Özil, Podolski - Klose

Mögliche Aufstellung Spanien: Casillas - Sergio Ramos, Piqué, Puyol, Capdevila - Busquets - Xabi Alonso - Xavi, Iniesta - Fernando Torres, Villa