Zum Wunder fehlte nur ein Tor. Minutenlang standen die abgekämpften Spieler von Neuseeland deshalb nach dem torlosen Unentschieden gegen Paraguay auf dem Rasen des Stadions "Peter Mokaba" in Polokwane und diskutierten. Ein Tor nur, und der Außenseiter vom anderen Ende der Welt wäre gemeinsam mit dem Gegner aus Südamerika in das Achtelfinale der WM einzogen. Ein Tor nur, und die All Whites wären sensationell sogar als Gruppensieger weitergekommen.
Das mussten selbst die wackeren "Kiwis" erst mal wegstecken. "Es ist traurig, dass wir das Tor nicht gemacht haben", sagte der starke Torhüter Mark Paston - und seine Stimme stockte. Von ihren Fans ließen die Spieler nach Minuten der stillen Trauer dann doch noch feiern - auch Trainer Ricki Herbert aber gab zu, dass er bei allem Stolz auf die Leistungen seiner ungeschlagenen Mannschaft "ein ganz kleines bisschen" enttäuscht sei, "weil wir die Chance hatten, ins Achtelfinale einzuziehen". Ein Tor fehlte.
"All Whites" fahren ohne Niederlage nach Hause
Unglaublich, aber wahr: Die All Whites wären angesichts der Entwicklung im Parallelspiel zwischen der Slowakei und Italien (3:2) mit einem Sieg gegen Paraguay sogar als Erster der Gruppe F in die K.o.-Runde eingezogen. Nach den Unentschieden gegen die Slowakei und Italien (jeweils 1:1) hätte das eine Tor zum Sieg am Ende gereicht. Einem Treffer kamen die vor allem in der Schlussphase wie beseelt kämpfenden "Kiwis" vor 34.850 Zuschauern allerdings in der Tat kaum einmal nahe.
Ebenfalls ungeschlagen belegte Paraguay Platz eins in der Gruppe F und erreichte nach einem Sieg (2:0 gegen die Slowakei) und zwei Unentschieden (1:1 gegen Italien) zum vierten Mal nach 1982, 1998 und 2002 die K.o.-Runde einer WM-Endrunde. Die Albirroja trifft dort am kommenden Dienstag in Pretoria auf den Zweiten der Gruppe E und damit auf die Niederlande, Dänemark oder Japan. Bis dahin ist aber eine Steigerung geboten: "Wir haben nicht gut gespielt", räumte Trainer Gerardo Martino ein: "Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft überhaupt nicht einverstanden.
Zögerlicher Beginn in Polokwane
Beide Mannschaften begannen sehr zögerlich und kamen nur zu wenigen erfolgversprechenden Chancen. Shane Smeltz, in Göppingen geborener Schütze des 1:0 gegen Italien, schoss weit übers Tor (5.). Ansonsten waren den Neuseeländern ihre limitierten technischen Möglichkeiten deutlich anzumerken. Die beste Chance ergab sich erst in der 48. Minute, als Simon Elliott aus 20 Metern knapp daneben. In der Schlussphase rutschte Chris Wood dicht vor dem Tor um Zentimeter an einem Schuss von Smeltz vorbei.
Für eine Überraschung sorgte dagegen Paraguays Trainer Martino. Er ließ Lucas Barrios von Bundesligist Borussia Dortmund zunächst auf der Bank. Dafür bildete Oscar Cardozo neben Nelson Valdez und Roque Santa Cruz die Offensivreihe. Der ehemalige Münchner Santa Cruz war fast ein Totalausfall. Barrios kam erst in der 67. Minute. Valdez wirkte bis zur seiner Auswechslung (67.) sehr bemüht, verzettelte sich jedoch oft in Einzelaktionen. Bei Paraguay ging zunächst von Kapitän Denis Caniza eine gewisse Torgefahr aus. Was auf das neuseeländische Tor kam, war aber bei Torhüter Paston in sicheren Händen.