In Deutschland gescheitert, für die USA Gold wert: Als Landon Donovan in einem hollywoodreifen Krimi in letzter Minute noch für ein Happy End gesorgt hatte, sprang Bill Clinton auf der Tribüne hoch und jubelte ausgelassen. Der ehemalige US-Präsident sah beim 1:0 (0:0) gegen Algerien einen der wichtigsten Momente der amerikanischen Fußball-Geschichte - und der Hauptdarsteller war ein Mann, den Bayern Münchens Trainer Hermann Gerland vor einem Jahr als zu schlecht für die zweite Mannschaft des Rekordmeisters eingestuft hatte.
Nach seinem späten Siegtreffer (90.+1), der seine Mannschaft doch noch ins WM-Achtelfinale gebracht hatte, flossen bei Donovan die Tränen, er schluchzte. "Ich war in den letzten vier Jahren auf einer langen Reise und habe viel durchgemacht", sagte der 28-Jährige nach dem Last-Minute-Drama an zwei Schauplätzen. Danach wischte er sich wieder über die Augen.
Ex-Präsident Clinton begeistert
"Ich bin überwältigt. Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Jungs. Der Ball fiel mir vor die Füße, die Zeit blieb stehen, ich konnte den Ball einfach nur reinmachen", berichtete Donovan, der bei Bayer Leverkusen ebenfalls nie richtig Fuß gefasst hatte. Er erzielte sein 44. Tor im 125. Länderspiel, Slowenien hatte das Nachsehen.
Edelfan Clinton war begeistert. "Es war fantastisch! Vieles hängt vom Kopf ab, wie bei Wahlen, wie bei Kriegen. Sie sind mental spitze, haben viel Herz gezeigt und das richtig gut gemacht. Meinen Glückwunsch", sagte er.
Erster US-Gruppensieg seit 1930
"Wir leben noch, Baby!" - der Ausruf des Helden war der perfekte Spruch, um die Emotionen der Amerikaner zusammenzufassen. Es war der erste WM-Gruppensieg eines US-Teams seit 1930. Dabei war ein Ende mit Schrecken vorgezeichnet, denn das 0:0 hätte das Aus bedeutet. "Die Jungs geben nie auf, das haben sie wieder gezeigt. Wir sind stolz, wir sind Gruppensieger mit fünf Punkten - und jetzt bereit für mehr." Vielleicht auch für Deutschland, denn die DFB-Auswahl ist ein potenzieller Achtelfinalgegner.
Die Wüstenfüchse aus Algerien scheiterten auch bei ihrer dritten WM-Teilnahme in der Vorrunde. Kapitän Anthar Yahia vom Bundesligisten VfL Bochum sah zu allem Überfluss in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte. Trainer Rabah Saadane steht vor dem Aus. "Ob ich weitermache? Ich glaube, viele Menschen würden es gerne sehen, dass ich es tue. Aber warten wir ab, was der Präsident unseres Verbandes sagt."
USA mit mangelhafter Chancenverwertung
Vor 35.000 Zuschauern im Loftus-Versfeld-Stadion waren die Amerikaner unter den Augen von Clinton die bessere Mannschaft und verdienten sich das Weiterkommen, obwohl sie erhebliche Probleme mit der Chancenverwertung hatten. Mit ihrem Kurzpassspiel und viel Bewegung ohne Ball leitete das Team von Trainer Bob Bradley viele gefährliche Szenen ein. Ideengeber und Antreiber waren dabei der Gladbacher Michael Bradley und Donovan. In der 58. Minute hatte Clint Dempsey nur den Innenpfosten getroffen.
Die Nordafrikaner hatten jedoch den besseren Start und drängten von Beginn an auf ihren ersten Turniertreffer. Bereits nach 18 Sekunden zog der Gladbacher Karim Matmour volley aus über 20 Metern ab, verpasste das Tor aber deutlich.
Dempsey trifft nur den Innenpfosten
Doch dann nahmen die Amerikaner das Heft in die Hand und blieben am Drücker. Dempsey hatte die Doppelchance, als er zunächst nur den Innenpfosten traf, anschließend noch am leeren Tor vorbeizielte. In der 65. Minute scheiterte der eingewechselte Benny Feilhaber, früher beim Hamburger SV aktiv, nach einem Angriff über die rechte Seite an Keeper M'Bolhi. Nach der folgenden Ecke flog nach einem Kopfball von Dempsey knapp am Tor vorbei.
Nur selten noch konnten die sich die Algerier vom Druck der Amis befreien. Zudem fehlte den Spielern von Trainer Rabah Saadane mehr und mehr die nötige Konzentration. In der 68. Minute kam der Wolfsburger Karim Ziani aus zehn Metern zum Schuss, zog aber flach am langen Eck vorbei.