Erst reichte Fabio Capello jedem der Spieler sein Glückshändchen, dann rief Englands Teammanager höchstpersönlich die Siegesfeier aus. "Natürlich dürfen die Jungs heute Abend ein Bier trinken. Das haben sie sich verdient", sagte der sichtlich erleichterte Coach nach dem 1:0 (1:0) gegen Slowenien und dem Einzug als Gruppenzweiter ins WM-Achtelfinale. Großes Lob gebührte aber auch Capello selbst: Durch die Hereinnahme von Matchwinner Jermain Defoe in die Startelf hatte der Italiener den Erfolg der "Three Lions" erst ermöglicht.
"Das Spiel war für uns wie ein Pokalfinale. Wir mussten unbedingt gewinnen. Der Glaube war immer da. Dass wir in die nächste Runde eingezogen sind, ist einfach brillant", äußerte Defoe, der vor seinem ersten Startelf-Einsatz der WM nur 17 Minuten auf dem Feld gestanden hatte. Nun entschied er die Partie und hielt wohl auch Capello im Amt.
Im Achtelfinale wartet Deutschland
"Jetzt ist der Kopf frei. Wir haben keine Angst mehr", sagte der Trainer. Zwischen Verunsicherung und schier unendlichem Selbstvertrauen lagen 90 Minuten. Drohte vor dem Anpfiff noch die größte WM-Blamage seit 1952, schien für Capello und Co. nun sogar der erste Titel seit 1966 möglich. "Es ist egal, gegen wen wir jetzt spielen. Wir müssen offensiv auftreten und alle schlagen. Wir können gegen jede Mannschaft weiterkommen", meinte Capello.
Im Achtelfinale treffen die "Three Lions" am Sonntag in Bloemfontein auf den Erzrivalen Deutschland. Englands Superstar Wayne Rooney hatte allerdings schon in der vergangenen Woche getönt: "Ich will Deutschland aus dem Turnier werfen."
Rooney erneut ohne Erfolg
Gegen Slowenien lief der Stürmer von Manchester United jedoch erneut seiner Form hinterher und brachte bis auf einen Pfostenschuss (59.) nicht viel zustande. In der 72. Minute musste er sogar vorzeitig das Feld verlassen.
"Ich habe Wayne ausgewechselt, weil sein Knöchel nicht in Ordnung war. Bis zum nächsten Spiel sollte er aber wieder fit sein", sagte Capello und stimmte auch in Richtung "Meuterer" John Terry, der den Coach zuletzt öffentlich kritisiert hatte, versöhnliche Töne an: "Das war eine sehr wichtige Leistung von ihm. Ich habe keine Probleme mit den Spielern. Ich respektiere sie und sie respektieren mich."
Weiß-rotes Fahnenmeer in Port Elizabeth
Bei so viel Harmonie passte auch der Jubel auf dem Feld ins Bild. Einträchtig bildeten die Engländer nach dem Abpfiff einen Kreis und feierten ausgelassen. Die rund 20.000 englischen Fans unter den insgesamt 36.893 Zuschauern in Port Elizabeth verwandelten das Nelson-Mandela-Bay-Stadion in ein weiß-rotes Fahnenmeer, in dem die geschlagenen Slowenen fast versanken.
Trotz der Niederlage glaubten die Osteuropäer zunächst, ebenfalls das Achtelfinale erreicht zu haben. Mit hochgerissenen Armen steuerten die Spieler auf den Mittelkreis zu, hüpften vor Freude und jubelten aus voller Kehle - dann erreichte sie die Nachricht vom späten 1:0 der USA gegen Algerien. Das Aus, der Schock.
"Das ist ein sehr emotionaler Moment, eigentlich unbeschreiblich. Als ich gehört habe, dass die USA mit 1:0 in Führung gegangen waren, war ich sprachlos", meinte Trainer Matjaz Kek: "Doch jetzt bin ich stolz. Wir haben uns bei diesem Turnier viel Respekt erspielt und müssen in Zukunft unseren Weg weitergehen."