Pasta zum Frühstück, Abschlusstraining statt Mittagessen und Reisestress statt Kaffee und Kuchen: Vor dem zweiten WM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft heute in Port Elizabeth gegen Serbien (13.30 Uhr/ZDF und Sky live) musste Bundestrainer Joachim Löw seine Planungen komplett über den Haufen werfen und den Spieltag am Donnerstag so weit es ging im deutschen WM-Quartier vor den Toren Pretorias simulieren.
Unbespielbarer Platz sorgt für Organisationsprobleme
"Es hat ein, zwei Stunden stärkere Bewegungen hinter den Kulissen gegeben, dann war alles organisiert. Es ist für uns kein großer Nachteil, dass wir nicht im Stadion trainieren können, denn es ist ja Gleichheit gegeben, da die Serben ebenfalls davon betroffen sind", sagte Teammanager Oliver Bierhoff wenige Stunden vor dem Abflug der DFB-Auswahl an den Indischen Ozean. Die Abreise nach Port Elizabeth war kurzfristig von Donnerstagvormittag auf den späten Nachmittag verschoben worden.
Nachdem die FIFA die deutsche Delegation davon unterrichtet hatte, dass das Abschlusstraining wegen des Zustands des Rasens nicht im Nelson-Mandela-Bay-Stadion stattfinden kann, hatte Löw im allgemeinen Chaos schnell reagiert und alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass die DFB-Auswahl ihre unmittelbare Vorbereitung auf das Match "zu Hause" bestreiten kann. Das Abschlusstraining, an dem auch Bastian Schweinsteiger nach überstandener Erkältung wieder teilnehmen konnte, fand analog zur Spielzeit im Super-Stadion von von Atteridgeville statt.
"Wir müssen uns auf ein Kampfspiel einrichten. Serbien ist wie ein angeschlagener Boxer, weil die Mannschaft das erste Spiel verloren hat", sagte Bundestrainer Joachim Löw auf der Abschluss-Pressekonferenz in Port Elizabeth. Er habe einiges von seinem serbischen Kollegen gelesen, "der von Ehre, Charakter und einem historischen Spiel und dem Spiel des Jahres gesprochen hat. Es wird ein Kampf auf Biegen und Brechen", so Löw, "aber unsere Mannschaft ist hungrig."
Änderung auf einer Position geplant
Das Lob nach dem 4:0 zum Auftakt gegen Australien sei nicht an seine Mannschaft herangelassen worden. In Bezug auf die Aufstellung gegen die Serbien ließ sich der Nationalcoach entlocken: "Ich denke über eine Änderung nach!" Möglicherweise könnte der Stuttgarter Cacau eine Chance von Anfang erhalten und den Vorzug gegenüber Miroslav Klose erhalten, der gegen Australien zum 2:0 getroffen hatte.
Auch Bierhoff machte derweil deutlich, dass der Weg ins Achtelfinale noch sehr steinig wird. "Ich will keine Spaßbremse sein. Wir freuen uns auch über die Euphorie, die schon wieder herrscht. Aber wir haben noch nichts erreicht. Das zweite Spiel ist vielleicht noch wichtiger als der Auftakt. Aber wir kennen die möglichen Konstellationen - und wir wollen beim dritten Gruppenspiel unbedingt ein K.o.-Spiel vermeiden", sagte der frühere DFB-Kapitän, der dennoch Optimismus ausstrahlte: "Ich mache mir aber keine Sorgen, die Mannschaft ist hochmotiviert."
Das gelte aber vielleicht sogar noch mehr für die Serben, die nach dem unglücklichen 0:1 gegen Ghana das Duell mit dem dreimaligen Welt- und Europameister zur "nationalen Angelegenheit" erklärt hätten. "Für sie ist es das Spiel des Jahrhunderts. Deshalb lastet ein enormer Druck auf dieser Mannschaft", betonte Bierhoff. Nach seinen Eindrücken der vergangenen Tage hätten die deutschen Spieler aber die Bedeutung des zweiten Spiels und den Unterschied zu Australien "gut verinnerlicht".
Hungrige Serben wollen den ersten Dreier bei WM
Zudem dürfe man Serbien auch nicht zu stark reden, um keine Angst bei der jungen deutschen Mannschaft zu schüren. Diesen Spagat müssen Löw und sein Trainerteam bis zum Anpfiff hinbekommen. Der Bundestrainer wies am Donnerstag noch einmal auf die besonderen Stärken des Gegners hin. Neben der guten Defensive und dem starken Mittelfeld müsse man besonders auf die ausgebufften Stürmer Nikola Zigic und Marko Pantelic achten.
"Für uns wird es wichtig sein, dass wir in der Defensive relativ kompakt stehen. Dann hat man immer wieder die Möglichkeit, Spieler zu doppeln", äußerte Innenverteidiger Arne Friedrich, der vor allem Pantelic aus seiner Zeit bei Hertha BSC Berlin bestens kennt. Und auch vor 2,02-Meter-Mann Zigic ist Friedrich nicht bange: "Man muss gegen solche Spieler ein Rezept haben. Es ist nicht immer nötig, aktiv die Kopfbälle zu gewinnen", sagte der 31-Jährige, "wichtig ist, dass die anderen die Räume schließen."