In einem sehr abwechslungsreichen Spiel konnte sich die mexikanische Nationalmannschaft sensationell mit 2:0 (0:0) gegen Frankreich durchsetzen. In einem sehr offen geführten Spiel kamen die Franzosen kaum zum Zug und hatten gegen die Mexikaner am Ende keine Chance. Wie auch schon bei den Spielen am Mittag, reihte sich das Spiel in die Liste der bisher Besten bei dieser WM-Endrunde ein.
Kaum Änderungen auf beiden Seiten
Franzosen-Trainer Raymond Domenech, der sich immer heftiger werdender Kritik aus der Heimat stellen muss, setzte auf fast die gleiche Formation, die auch schon beim 0:0 im ersten Gruppenspiel gegen Uruguay ran durfte. Lediglich Yoann Gourcuff, der im französichen Team mit Anerkennungsschwierigkeiten zu kämpfen hat, musste für Malouda weichen. Franck Ribery übernahm die für ihn etwas ungewohnte "Zehner"-Position und Malouda nahm die Position des linken Mittelfeldspielers ein.
Die Mexikaner stellten im Vergleich zum Auftaktspiel gegen Südafrika die komplette Taktik um. Setzte man gegen Südafrika noch auf ein 3-4-3, stellte man gegen die Franzosen auf ein klassiches 4-3-3 mit einem "6er" um. Salcido übernahm die Position des linken Verteidigers und Innenverteidiger Morena kam für den glücklosen Paul Aguilar in die Partie.
Schiedsrichter Khalil Ibrahim Al-Ghamdi aus Saudi-Arabien, der seine erste WM-Partie pfeifen durfte, hatte vor knapp 30.000 Zuschauern in Polokwane zuerst keine Probleme mit dem Spiel. Er blieb zunächst unauffällig, sollte aber später mitverantwortlich für die mexikanische Führung sein.
Offener Beginn in Polokwane
Für die Mexikaner lohnte sich die Umstellung von der ersten Minute an. Man setzte die Franzosen von Anfang an unter Druck und kam über die beiden Aussenstürmer Carlos Vela von Arsenal London und Giovanni dos Santos vom türkischen Erstligisten Galatasaray Istanbul zu einigen Konterchancen. Die Franzosen wirkten sehr überrascht und taten sich etwas schwer, dem kämpferischen Auftreten der Mexikaner etwas entgegenzusetzen.
Beide Mannschaften mussten gewinnen um das Achtelfinale der WM-Endrunde 2010 noch aus eigener Kraft erreichen zu können. In der Anfangsphase machten die Mexikaner den etwas frischeren Eindruck und setzten ihren wenigen Ballbesitz in einige sehenswerte offensive Vorstöße um. Schon nach wenigen Sekunden gab es den ersten Schockmoment für die in blau gekleideten Franzosen. Nach einem Pass von Carlos Vela auf dos Santos am linken Flügel, behält dos Santos die Ruhe und haut den Ball aus 15 Metern an den Pfosten (2.). Glück für die Franzosen - Der Schiedsrichter entschied kurz davor auf Abseits.
Vela, der in der 33. Minute wegen einer Oberschenkelverletzung gegen Pablo Barrea von Pumas aus der mexikanischen ersten Liga ausgewechselt werden musste, war immer wieder an den Offensivaktionen der Mexikaner beteiligt. Ganze sechs Minuten später packt Rafael Marquez einen wunderbaren Pass in den Lauf von Vela aus, doch dieser verzieht den anschließenden Schuss aus etwa 12 Metern. Salcido, der mit aufgerückt war, beschwerte sich anschließend bei Vela zurecht, denn dieser übersah den in der Mitte völlig frei stehenden Salcido völlig.
Die Franzosen behielten klar die Überlegenheit im Mittelfeld, konnten aber aus ihrem Ballbesitz nicht all zu viel machen. Die "El Tri", wie die Mexikaner genannt werden, standen hinten sehr sicher und zwangen die Franzosen immer wieder ihre Angriffe abzubrechen. Anelka mit einem gewaltigen Distanzschuss (11.) und Ribery mit einem Schuss, der weit am linken Torpfosten vorbei ging (13.), sorgten für die gefährlichsten Szenen der "Les Bleus"
Frankreich mit Ballbesitz - Mexiko mit Chancen
Auch wenn beide Mannschaften nun nach knapp 25 Minuten dem hohen Tempo der ersten Minuten Tribut zollen mussten, zeigte sich weiterhin das gewohnte Bild der Anfangsphase. Die Franzosen hielten weiterhin den Ball in den eigenen Reihen und taten sich schwer in Strafraumnähe Überzahlsituationen herzustellen. Die Mexikaner hielten an ihrerm Stil fest und kamen auch trotz des Verlustes von Carlos Vela zu ihren Möglichkeiten, wenn auch nicht mehr so oft, wie noch zuvor.
In der 27. Minute konnten sich die Franzosen bei ihrem Keeper Hugo Lloris bedanken. In einer eigentlich harmlosen Szene schläft Gallas völlig, und lässt Salcido, der sich zuvor gegen zwei Gegenspieler durchsetzte und sich eigentlich den Ball viel zu weit vorlegte, aus einem eher ungünstígen Winkel draufhalten, doch Lloris kann die Stellung bewahren und den Ball zur Ecke klären.
Der für Vela eingewechselte Barrera sorgte für die nächste Möglichkeit. Nach einer punktgenauen Flanke von Carlos Salcido, stieg Barrera hoch und war wenige Sekundenbruchteile früher als Lloris am Ball. Lloris hatte aber Glück, denn das Leder trudelte mehrere Meter neben dem Tor ins Toraus (33.).
Die Franzosen kamen lediglich durch Anelka zu einer weiteren Chancen in Halbzeit eins. Wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff setzte sich der 64-malige Nationalspieler auf links durch und setzte zu einem Rechtsschuss an. Der Ball landete aber genau in den Armen von Oscar Perez, der keinerlei Probleme mit dem Ball hatte.
0:0 der besseren Art
Dann war auch schon Halbzeit in Polokwane. Die Franzosen wirkten sehr überrascht von der forschen Spielweise der "Les Bleus". Man konnte sich zwar in den Duellen im Mittelfeld durchsetzen, man entwickelte aber kaum Zug zum mexikanischen Tor. Gignac vom FC Toulouse kam in der zweiten Halbzeit für Nicolas Anelka, der sich wie der Rest seines Teams kaum Abschlüsse erarbeiten konnte.
Die Mexikaner schienen sich gut vorbereitet zu haben auf die kompakte Spielweise der Franzosen. Besonders die Bälle in den Rücken der Abwehr sorgten immer wieder für Gefahr bei den Blauen. Immerwieder ließ sich die französiche Viererkette überlisten und hatte in den Laufduellen oft das Nachsehen. Besonders Carlos Vela bis zu seiner Auswechslung, und Carlos Salcido sorgten für einigen Aufruhr.
Mexiko weiter am Drücker - Frankreich kommt
Die Mexikaner ließen sich auch nicht von der fünzehn-minütigen Pause beirren und liefen weiter fröhlich an. Die "El Tri" agierte nun auch wesentlich härter. Man wollte die Franzosen nun auch schon im Mittelfeld zu Fehlern drängen und tat dies auf Kosten zweier gelben Karten. Besonders bitter für Efrain Juarez, der aufgrund seiner zweiten gelben Karte im letzten Gruppenspiel gegen Uruguay von der Tribüne aus zuschauen muss. Auch der Franzose Toulalan erhielt seine zweite gelbe Karte und fehlt nun gelb-gesperrt gegen Südafrika.
Die ersten beiden Chancen, wie sollte es auch anders sein, gehörten den Mexikanern. Salcido setzte sich mit einem Solo gegen einige Franzosen durch, und konnte diesmal nur mit einem Foul gestoppt werden. Gerade noch rechtzeitig, denn die Mexikaner liefen sich bereits frei. (50.). Keine Minute später dann eine kreative Freistoßvariante der Mexikaner. Marquez legt an der Mauer quer zu dos Santos, dessen Hereingabe jedoch abgewehrt werden konnte. Der Nachschuss von Vela-Ersatz Barrera flog am Tor vorbei (51.).
Auch die Franzosen kamen nun zu ihrer ersten nennenswerten Chance. Malouda erhielt an der Starfraumgrenze den Ball und packte einen sehenswerten Schuss aus. Oscar Perez musste sich strecken und konnte den Ball gerade noch so über die Latte lenken. Die nachfolgende Ecke brachte nichts mehr ein.
Eingewechselter Hernandez wird zum Held
Nach etwas mehr als einer Stunde war es dann soweit. Nach einem herrlichen Pass in den Raum von Barca-Star Rafael Marquez, tauchte plötzlich der wenige Minuten zuvor eingewechselte Javier Hernandez allein vor Hugo Lloris auf. Dieser umkurvte Lloris um ließ ihm keine Chance. Hernandez konnte unbegrängt zum 1:0 einschieben. Besonders bitter wurde es für die Franzosen beim Blick auf die Wiederholung. Hernandez startete beim Pass von Marquez aus dem Abseits und hätte somit zurückgepfiffen werden müssen.
Die "Les Bleus" wirkten geschockt und konnten sich kaum noch mehr durchsetzen. Die Mexikaner gewannen nun auch die Zweikämpfe im Mittelfeld und konnten immer wieder zu entlastenden Konterangriffen ansetzen. Domenech lehnte an der Trainerbank und wirkte fassungslos. Der in der Kritik stehende Domenech, der nach der WM für Laurent Blanc Platz machen muss, ließ auch weiterhin seinen Top-Star Thierry Henry auf der Bank schmoren. Statt Henry brachte er Mathieu Valbuena von Olympique Marseille. Das Tischtuch zwichen Henry und Domenech dürfte nun endgültig zerschnitten sein.
Zum ersten mal in diesem Spiel kamen auch die Vuvuzela-Filter von Sky und ARD zum Einsatz. Die neuen Filter filtern die Vuvuzela-Geräusche nahezu komplett herraus und bieten den Zuschauern endlich Stimmung am heimischen TV. Nur die Spieler mussten weiter mit dem Vuvuzela-Geräuschpegel kämpfen. Immer wieder sah man, wie die Spieler versuchten, sich zu verständigen aber immer wieder ihre Gespräche abbrechen mussten.
Brotlose Kunst der "Les Bleus" - Blanco macht den Sack zu
Die Franzosen zeigten daraufhin nur noch brotlose Kunst und kamen lediglich zu zwei mehr als schmeichelhaften Torschüssen. In der 73. Minute landete die Flanke von Malouda weit im Aus und keine Minute später bolzte Gignac den Ball Richtung Zuschauertribüne.
Zwölf Minuten vor dem Schluß hatte Eric Abidal dann einen völligen Aussetzer. In einem Laufduell mit Barrera packte der für Barcelona kickende Verteidiger die Sense aus, und legte Barrera im Strafraum. Ohne groß zu murren nahmen die Franzosen die Entscheidung hin. Proteste waren auch sinnlos, denn die Entscheidung war eindeutig. Blanco, der in der unterklassigen mexikanischen zweiten Liga kickt, absolvierte heute sein 120 Länderspiel und ließ Hugo Lloris mit einem gezielten Elfmeter keine Chance.
Raymond Domenech, der sowieso schon in der Kritik stand und auch beim Team nicht äusserst beliebt ist, lehnte weiter an seiner Trainerbank und sah dem Schrecken zu. Seine Franzosen blieben heute gegen ein aufopferungsvoll kämpfendes Team aus Mexiko ohne Chance. Die Mexikaner, die sich nun berechtigte Hoffnungen auf eine Achtelfinal-Teilnahme machen dürfen, siegten zum ersten mal in ihrer Verbandskarriere gegen einen Weltmeister. Torschütze Blanco, der gewisse Ähnlichkeiten zu Ailton aufweist, ist mit 37 Jahren der zweitälteste Torschütze der WM-Geschichte. Lediglich Roger Milla, der mit 42 Jahren für Kamerun traf, war älter.
Frankreich muss 4 Tore aufholen
Die Franzosen müssen nun auf einen Ausrutscher von Mexiko gegen Uruguay hoffen und müssen gleichzeitig gegen Südafrika vier Tore aufholen. Allerdings wollen sich auch die Südafrikaner mit einem Sieg von ihrer Heim-WM verabschieden. Den Blauhosen gelang nur ein Sieg in den letzten acht WM-Gruppenspielen.
Die "Les Bleus" treffen am 22.06. um 16:00 Uhr auf Südafrika. Die Mexikaner treten zur gleichen Zeit in Rustenberg an.