"Wir müssen die drei Punkte gewinnen", betonte Matthäus vor dem EM-Qualifikationsspiel am Samstag in Montenegro. Problem nur: Das Überraschungsteam liegt ungeschlagen auf Rang zwei, punktgleich mit dem Schweizer Rivalen England. Zudem kassierten die Montenegriner seit 675 Pflichtspielminuten kein Gegentor mehr.
England führt die Gruppe G mit zehn Punkten und 9:1 Toren an. Zweiter ist Montenegro nach drei 1:0-Siegen und der überraschenden Nullnummer in England. Bulgarien und die Schweiz haben lediglich vier Punkte auf dem Konto, Wales ist mit null Zählern Letzter.
Hitzfeld steht unter Druck. Nur bei einem Sieg im Wembley-Stadion können die Eidgenossen weiter auf die EM-Teilnahme hoffen, doch dem ehemaligen Bayern-Coach fehlen Stürmer. So müssen es die drei Talente Innocent Emeghara (22), Admir Mehmedi (20) und der 19-Jährige Granit Xhaka richten - und das gegen die englischen Innenverteidiger John Terry (Chelsea) und Rückkehrer Rio Ferdinand (Manchester United). "Uns fehlen Stürmer im Alter von 25 oder 26 Jahren, deshalb musste ich wirklich junge Spieler nominieren, um die Lücke zu füllen", meinte Hitzfeld. Die beiden ehemaligen Bundesliga-Profis Alexander Frei und Marco Streller haben ihre Auswahlkarriere beendet.
Tore tun jedoch Not bei den Schweizern, die am letzten Spieltag noch auf Montenegro treffen. Bis dahin könnte aber schon alles gelaufen sein. Nach der Partie könnte der Rückstand auf England und Montenegro bei drei noch ausstehenden Spielen bereits auf neun Punkte anwachsen. Seit ihrem Beitritt zum Weltverband FIFA vor 107 Jahren haben die Schweizer noch nie auf der Insel gewonnen. 1996 errangen sie ein 1:1 im EM-Eröffnungsspiel gegen die Gastgeber. Selbst das wäre nun zu wenig.
"Gegen Spanien ist uns mit dem 1:0 bei der letzten WM eine Überraschung gelungen. Warum sollen wir das gegen England nicht auch einmal schaffen?", fragte Torwart Diego Benaglio (VfL Wolfsburg) trotzig. Einen Ausrutscher wollen sich die Engländer aber nicht leisten, auch wenn Angreifer Wayne Rooney wegen einer Sperre nicht spielen darf. "Die Schweizer haben ein starkes Team. Wenn wir nicht konzentriert sind, könnte das Spiel zu einer potenziellen Bananenschale werden", warnte Englands Coach Fabio Capello.
Montenegro trotzte den "Three Lions" immerhin ein 0:0 ab. Matthäus ist gewarnt - und setzt auf einen eingebürgerten Brasilianer. Damit die Revanche für die Heimpleite gegen Montenegro gelingt, nominierte der deutsche Rekordnationalspieler für das Match in Podgorica Mittelfeldspieler Marquinhos von PFC CSKA Sofia. Er ist nach Thiago Silva und Lucio Wágner der dritte gebürtige Brasilianer im Dress der Bulgaren. Montenegros Coach Zlatko Kranjcar lässt sich von der Personalie nicht einschüchtern. "Wir hoffen, dass wir diesen unglaublichen Verlauf fortsetzen können und einen weiteren Schritt in Richtung EURO 2012 machen", sagte Kranjcar.