Aber seine neuste Glaubwürdigkeitsoffensive droht in der öffentlichen Empörung über seine verharmlosenden Äußerungen zum Rassismus im Fußball unterzugehen. "Wir müssen das Image der FIFA wieder dort hinbringen, wo der Fußball steht. Der Fußball hat ein sehr positives Image", erklärte Blatter in einem Interview der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".
Neue Exekutivmitglieder sollen vor der Aufnahme in die FIFA-Regierung "ethisch und moralisch" überprüft werden. "Die FIFA wird ein Leumundszeugnis verlangen", sagte der 75-Jährige. Auch Blatter selbst würde sich einer solchen Überprüfung stellen: "Ja sicher." Selbst die Ermittlungen der Ethik-Kommission gegen seine eigene Person unmittelbar vor der Präsidentenwahl am 1. Juni "könnte man komplett publik machen", so Blatter. "Ich will keine besondere Regelung."
Das Problem bei Blatters Reformpolitik: Sämtliche Versuche, das ramponierte Image seiner Organisation zu verbessern, werden von großer Skepsis der Öffentlichkeit und der Medienwelt begleitet. Der Walliser, seit 1998 an der FIFA-Spitze und davor 17 Jahre lang Generalsekretär, gilt als Mitverantwortlicher des Systems, das er jetzt ändern will, um den Verband aus der größten Krise in dessen Geschichte zu führen.
Die Vorwoche war ein passendes Beispiel. In zahlreichen Interviews wollte er für die Änderungen innerhalb der FIFA werben - stattdessen sah er sich tagelang mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. In einem TV-Gespräch hatte er Rassismus auf dem Platz geleugnet und sich dafür später mehrmals entschuldigt. Blatter fühlte sich falsch verstanden. Dabei will er bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2015 innerhalb der FIFA aufräumen. Und: "Es ist mir ein Anliegen, den Behauptungen entgegenzutreten, ich hätte Geld entgegen genommen. Das ist schlicht und einfach falsch. Das wurde auch bereits von einem Gericht widerlegt", sagte Blatter in einem Interview der "Aargauer Zeitung".
Sogar die umstrittene Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar könnte jetzt auf den Prüfstand kommen. "Das war ein Fehler", gab er erneut zu, "da muss es ja zu Interessenskonflikten kommen, denn es konnte jeder mitstimmen, auch wenn sein eigenes Land Kandidat war." Renommierte Experten wie Sylvia Schenk von Transparency International und der Baseler Anti-Korruptionsexperte Professor Mark Pieth würden den Fall derzeit untersuchen und ihre Erkenntnisse an die neu gegründete Good Governance-Kommission weiterleiten, die sich um eine saubere Geschäftsführung der FIFA kümmern soll. Auf dem Kongress soll "dann auch diese Frage beantwortet" werden.
Den Einfluss der 24-köpfigen Exekutive der FIFA will Blatter weiter reduzieren. "Jetzt habe ich endlich die Unterstützung, um die notwendigen Reformen umzusetzen", so Blatter. Auf seinen Wunsch hin soll der Kongress in Zukunft nicht nur den WM-Gastgeber wählen, sondern auch die Besetzung der Exekutive bestimmen.
"Wenn ich Alleinherrscher wäre, würde ich sagen: Alle Rechtsorgane werden durch den Kongress bestimmt", meinte Blatter. Eine entsprechende Satzungsänderung müsste von DFB-Präsident Theo Zwanziger ausgearbeitet werden, der den Vorsitz über die ebenfalls neu gegründete Statuten-Kommission der FIFA hat. Derzeit werden die Mitglieder von den sechs Konföderationen ausgesucht. Auch die Funktionäre der Ethik-Kommission sollen künftig vom Kongress und nicht mehr von der Exekutive bestellt werden.