Von Henning Klefisch
Dortmund hat seinen Stil geändert, um erfolgreich zu sein. Weg vom Hurrafußball mit einer anfälligen Defensive, hin zu pragmatischem Spiel, was keinen Schönheitspreis gewonnen hat, dafür aber mit drei Punkten belohnt. All dies geschah im Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus. Mit einem schmucklosen 1:0 gewann Borussia Dortmund gegen den Hauptstadtverein und vermied damit eine weitere Griechenlandpleite.
Jetzt noch ein weiterer Dreier im kommenden Heimspiel gegen Olympique Marseille und die treuen schwarz-gelben Anhänger dürfen von einem Überwintern in der Königsklasse träumen. Die Erleichterung war groß nach dem überlebenswichtigen Dreier. Euphorisch gab Kevin Großkreutz zu Protokoll: „Wir haben gezeigt, dass wir in der Champions League mithalten können.“
Jetzt hofft man den Schwung in das Bundesligaspiel gegen abstiegsgefährdete Wölfe, die ebenfalls um das Überleben kämpfen müssen, nur diesmal in der Bundesliga. Trainer Klopp wird eine veränderte Grundordnung vornehmen. Vom in der Championsleague praktizierten 4-3-3 hin zu seinem „Bundesliga-System“ (4-2-3-1). Die Besetzung des defensiven Mittelfeldes ist die heißeste Diskussion vor dem Match im Signal Iduna Park.
Der erst 18-jährige Moritz Leitner hat ein tolles Spiel gegen Piräus abgeliefert. Bleibt nur die Frage, ob er spielt. Dieser signalisiert „allzeit bereit zu sein“, sagt aber auch, „dass man als 18-jähriger keine Ansprüche stellen kann.“ Auch in der Verlosung sind Routinier Sebastian Kehl, bei dem die Frage sein wird, wie er die Belastungen wegsteckt und Sven Bender, den eine Bänder-Überdehnung zuletzt pausieren ließ. Eines wird zumindest sicher sein. Dortmund wird brennen und zumindest für eine Nacht den Abstand auf die übermächtig erscheinenden Bayern auf zwei Punkte schmelzen lassen.
Voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender (Leitner), Kehl – Götze, Kagawa, Großkreutz – Lewandowski
Beim VfL Wolfsburg, immerhin Deutscher Meister 2009, geht die Angst um. Die Abstiegsangst. Das Gute ist: Zumindest erfahren sind sie. Letztes Jahr mussten sie bis zum letzten Spieltag um den Klassenverbleib kämpfen, den sie mit einem Erfolg in Hoffenheim auch geschafft haben. Das Schlechte ist: Der ambitionierte Hauptsponsor VW hat andere Ziele als jedes Jahr den Klassenerhalt zu feiern.
Auch Meistertrainer Magath möchte so schnell wie möglich zurück in den europäischen Fußball – mit dem VfL. Anspruch und Wirklichkeit klaffen mal wieder auseinander in der Autostadt, sodass vor dem Spiel in Dortmund aus Angst vor dem Gegner auf eine Fünfer-Abwehrreihe gebaut wird. Eine richtige „Wolfsburg“ also. Das Problem ist weiterhin, dass Trainer Magath so langsam die Offensivakteure ausfallen.
Srdjan Lakic fällt mit einer Meniskus-Quetschung aus. Bei Top-Torjäger Mario Mandzukic tritt ein Grippe-Virus zutage. Und obendrein fehlt Thomas Hitzlsperger wegen einer Meniskusoperation. Auf Mittelfeldkämpfer Josue möchte Magath wahrscheinlich freiwillig verzichten. Der ehemalige brasilianische Nationalspieler befindet sich in einem Leistungsloch.
Edeltechniker Ashkan Dejagah hat zumindest ein mögliches Erfolgsrezept für die nächsten Wochen: „Ich denke, wir sollten uns nicht mit der Tabelle beschäftigen, sondern einfach von Spiel zu Spiel schauen. Wir müssen uns wieder zusammenraufen und die Fehler abstellen, um es dann in der nächsten Woche besser zu machen. Am besten legen wir einfach wieder so ein Spiel hin wie in der ersten Halbzeit gegen Hertha. Denn da haben wir richtig guten Fußball gezeigt.“
Voraussichtliche Aufstellung: Benaglio – Ochs, Kyrgiakos, Russ, (Thoelke), Schäfer – Träsch, Josue, (Chris) – Dejagah, Koo, Hasebe – Mandzukic