Von Henning Klefisch
Das Spiel Mainz gegen Stuttgart birgt jede Menge Brisanz. Stuttgart möchte mit einem Auswärtsdreier zumindest für eine Nacht die Tabelle hinter den übermächtigen Bayern anführen, Mainz sich Luft im stickigen Abstiegskampf verschaffen. Das erste Bundesligaspiel in der Mainzer Historie gab es gegen den VfB Stuttgart in der Saison 2004/05 (2:4).
Mainz, wie es singt und lacht. Das war einmal. Schiedsrichterkritik von einem dünnhäutig wirkenden Thomas Tuchel und haarsträubende Abwehrfehler, die schon zu 22 Gegentoren führten, waren die Hauptgesprächsthemen vor dem wichtigen Match gegen den VfB Stuttgart. Da gerät fast in Vergessenheit, dass der FSV Mainz 05 zumindest auf wirtschaftlicher Ebene Erfolge vorweisen kann. Mit Hauptsponsor Entega wurde bis 2017 verlängert und damit insgesamt 25 Millionen Euro eingestrichen.
Eine stolze Summe, die den wirtschaftlich gut situierten Mainzern weitere Vorteile auf dem Transfermarkt verschafft. Ansonsten hat sich wieder einmal Trainer Tuchel negativ hervorgetan, der im Gespräch mit Boris Büchler vom ZDF-Sportstudio jegliche Souveränität und Gelassenheit vermissen ließ. Kritik an den teilweise katastrophalen Fehlern seines Teams ließ er nicht zu. Stattdessen wurden die Referees als die Sündenböcke tituliert. Schon während der 1:3 Heimniederlage gegen Werder Bremen führte der 38-jährige Tuchel einen Kleinkrieg mit der vierten Offiziellen Bibiana Steinhaus.
Auch intern gibt es erhebliche Missstimmung. Speziell der bisherige Stammkeeper Heinz Müller fühlt sich ungerecht behandelt und denkt laut über einen Abschied am Ende der Saison nach. Auch wenn Manager Heidel zu beschwichtigen versucht: „Er (Heinz Müller) hat bis auf das Pokalspiel- und das Bremenspiel alle Partien absolviert. Wir haben zwei Toptorhüter. Momentan läuft unsere Planung darauf hinaus, dass die Konstellation so bleibt.“
Der Torwartwechsel hin zur bisherigen Nummer Zwei Christian Wetklo hat nach seiner Meinung nicht nur sportliche Gründe. Ein weiteres Fass, was Tuchel unnötig aufgemacht hat. Ruhe wird in den nächsten Wochen entscheidend sein am Bruchweg, da auch das euphorische aber auch anspruchsvolle Publikum mindestens einen Mittelfeldplatz erwartet, der bei den bisher gezeigten Leistungen nur schwerlich erreichbar sein wird. Die Statistik spricht auch nicht unbedingt für die Rheinhessen. Bei bisher zehn Spielen konnte nur einmal gewonnen werden. Mit dem zweiten Heimdreier in der Bundesligahistorie möchte Mainz den Anschluss ans Tabellenmittelfeld herstellen.
Voraussichtliche Aufstellung: Wetklo – Pospech, Bungert, Noveski, Fathi – Baumgartlinger, Soto – Caligiuri, Ivanschitz, N. Müller – Allagui
Selbstvertrauen ist Trumpf beim wiedererstarkten VfB Stuttgart. So war im Vorbericht auf der VfB-Homepage zu lesen: „Mainz kann kommen.“ Ein Spruch, der neben der breiten Brust auch ein neues Selbstwertgefühl, der oftmals zaudernden Schwaben symbolisiert. Das 1:1 gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund hat den obligatorischen roten Brustring bei den Schwaben noch weiter anwachsen lassen. Es war ein Spiel auf technisch, taktisch und emotional höchstem Niveau. Ein Spiel, das den Stuttgartern gezeigt hat, dass man national auch mit der Elite mithalten kann und die Qualifikation für den Europacup in Reichweite erscheint.
Sollte der VfB auch in Mainz an die Leistung gegen den BVB anknüpfen, ist ein Auswärtsdreier möglich. Bis auf die langzeitverletzten Audel, Delpierre und Schieber (alle Reha), sowie Pogrebnyak (doppelter Bänderriss) sind alle Mann an Bord. Beste Voraussetzungen für Trainer Labbadia, der ein klares Konzept erkennen lässt und den Mannschaftsgeist erheblich gestärkt hat. Einstige Gruppenbildungen sind passé. Teamwork heißt das neue Schlagwort an den Cannstadter Wasen.
Labbadia lobt sein Team, warnt aber zugleich vor den Mainzern: „Unser intensives und aggressives Pressing war sehr gut, in der Spieleröffnung haben wir uns verbessert, wir haben eine klare Ordnung, die Mannschaft ist diszipliniert und keiner schert aus. Aber wir müssen noch konstanter werden, bei Ballbesitz noch stärker sein und unnötige Ballverluste vermeiden. Das gilt auch für Freitag, denn Mainz betreibt immer einen hohen Aufwand und hat viele Spielanteile. Sie sind in den letzten Wochen oft unter Wert geschlagen worden und ab und zu hat ihnen auch das nötige Quäntchen Glück gefehlt.“
Zdravko Kuzmanovic, der nach seiner Verletzungspause wieder mit Neuzugang William Kvist die Doppelsechs bilden wird, sieht den Gegner mental angeschlagen: „Mainz wird nach neun sieglosen Ligaspielen nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen.“ Aber bekanntlich gibt es das berühmte Sprichwort vom angeschlagenen Boxer. Konzentration wird gefragt sein beim selbstbewussten VfB.
Voraussichtliche Aufstellung: Ulreich – Boulahrouz, Tasci, Maza, Molinaro – Kvist, Kuzmanovic – Harnik, Hajnal, Okazaki – Cacau