Von Henning Klefisch
Die beiden Überraschungsteams der Bundesliga treffen aufeinander. Hannover gegen Gladbach ist das Duell mit vorentscheidender Bedeutung. Verlieren ist verboten. Wer das Spiel gewinnt, hat beste Möglichkeiten im harten Kampf um die Europapokalränge. Wer hingegen gegen einen direkten Konkurrenten verliert, der muss sich auf Dauer mit dem Bundesligamittelmaß zufrieden geben.
Für Gladbach-Stürmer Maik Hanke ist es ein Duell gegen seinen Ex-Verein. Allzu gute Erinnerungen hat er an die Zeit in Niedersachsens Landeshauptstadt nicht mehr, weil er dort meist nur als Joker gespielt hat. Auch die Erinnerung an die letzten drei Spiele ist nicht wirklich von totaler Glückseligkeit dominiert.
Mit nur einem Punkt von neun möglichen und zwei Pleiten gegen Freiburg und Hoffenheim ist die Bilanz der Favre-Elf nicht gerade berauschend. Das Gladbacher Team steht an einem Scheidepunkt der Saison. Während man gegen Freiburg und Leverkusen das spielerisch bessere Team gewesen ist und einzig die Chancenverwertung defizitär war, gab es gegen Hoffenheim einen Rückfall in längst vergessene Zeiten. Schon der Spielaufbau war von erschreckender Ideenlosigkeit geprägt.
Trainer Favre lobt sein Team: „Wir sollten aber nicht vergessen, dass wir es in vielen Heimspielen und zuletzt speziell gegen Leverkusen insgesamt im Spiel nach vorne gut gemacht haben. Als ich hierher kam, hatten wir im Spiel ein oder zwei Chancen – wir haben bereits jetzt einen Fortschritt gemacht.“ Das Heimspiel gegen Hannover soll die Wende zum Besseren bringen.
Selbstvertrauen ist genügend da nach dem 4:3 DFB-Pokalerfolg gegen Heidenheim. Durch den Einzug ins Achtelfinale ist weiterer finanzieller Spielraum vorhanden, um in der Winterpause personell noch einmal nachlegen zu können. Daems kehrt für Wendt in die Startelf zurück und Marx für Nordtveit.
Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Marx, Neustädter – Herrmann, Arango – Reus, Hanke
Hannover 96 befindet sich derzeit auf einer Berg- und Talfahrt der Gefühle. Euphorisch und stolz auf die eigene Leistung nach dem sensationellen 2:1 Erfolg über den scheinbar übermächtigen FC Bayern München. Das genaue Gegenteil nach der 0:1 Pokalschlappe gegen Mainz 05.
Das Bittere an dieser unnötigen wie überflüssigen Pleite war der verschossene Elfmeter von Ya Konan in der 119. Minute der Nachspielzeit. Hannover merkte man im gesamten Spiel eine gewisse Passivität an, vielleicht war es auch die körperliche und mentale Müdigkeit nach dem historischen Triumph über den deutschen Rekordmeister.
Besonders über Mittelfeldantreiber Sergio Pinto wurde nach dem Bayern-Spiel diskutiert,. Der Bayern Boss Hoeneß und Rummenigge halten ihn für einen Schauspieler und Provokateur, der mit seinen Akteuren die Gegner gegen sich aufbringt. Hannovers Verantwortliche sehen in ihm einen ehrgeizigen, kämpfenden Spieler, der alles für den Erfolg tut. Einer der vorangeht, mit allen Mitteln, die erlaubt sind.
Pinto polarisiert. Die Fans lieben ihn dafür, die Gegner hassen ihn dafür. Er teilt aus und muss auch einstecken. Auf dem Platz und auch verbal. Mit einem Auswärtserfolg in Gladbach möchten sich die Hannoveraner in der Tabelle möglichst weit oben positionieren. Trainer Slomka sieht sein Team noch in der Entwicklung: „Dieses Spiel gegen Mainz hat gezeigt, dass wir noch keine Spitzenmannschaft sind, obwohl wir in der Bundesliga oben dran sind.“
Chahed spielt für den gesperrten Cherundolo, Ya Konan für den gesperrten Pinto. In 42 Spielen 22 Gladbach-Siege, bei acht Remis und 12 Hannover-Siegen.
Voraussichtliche Aufstellung: Zieler – Chahed, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach, Stindl – Ya Konan, Schlaudraff, Pander – Abdellaoue