"Meine Tochter hatte mich morgens angerufen und gesagt, 'Papa, ich will die Torhymne vom FC Augsburg hören, mach bitte ein Tor'", erzählte der vierfache Familienvater nach dem 2:2 (0:0) gegen den SC Freiburg und schloss augenzwinkernd an: "Hab' ich gemacht."
Das 175 000-Euro-Schnäppchen vom Zweitligisten FSV Frankfurt beglückte mit seinen zwei Kopfballtoren (54./81. Minute) nicht nur gleich zweimal sein Töchterchen mit dem Lummerland-Lied "Eine Insel mit zwei Bergen" der Augsburger Puppenkiste. Der 26 Jahre alte Stürmer ließ bei der Erstliga-Premiere des 51. Bundesligaclubs auch erst gar keine Rufe nach Michael Thurk aufkommen.
Den Job des gefeuerten Aufstiegshelden übernahm auf Anhieb der Billig-"Bomber" Mölders. "Ich mache mir keinen Druck und will mich nicht mit Thurk messen. Der Micha hat hier sehr gute Arbeit abgeliefert und überdurchschnittlich gespielt", wehrte der Mann des Tages Vergleiche bescheiden ab. "Ich habe zwei Tore gemacht, das ist schön. Aber den Punkt hat die gesamte Mannschaft gesichert."
Und doch war die Mölders-Show - ein dritter Kopfball klatschte noch an den Pfosten (73.) - ein Drehbuch, wie es wohl nur der Fußball schreibt. "Das kann man vorher nicht planen. Ich denke, Sascha hat ein Wahnsinnsspiel gemacht", erklärte Trainer Jos Luhukay, dem sein neuer Mittelstürmer weitere unangenehme Thurk-Debatten ersparte.
Ohne Mölders hätten die 30 403 enthusiastischen Zuschauer in der Augsburger Arena nichts zu feiern gehabt. Freiburg hatte durch Torjäger Papiss Demba Cissé (48.) und Mittelfeldspieler Cedrick Makiadi (55.) zweimal geführt. "Aber wir haben es versäumt, den Sack zuzumachen", ärgerte sich Marcus Sorg. Dem Nachfolger von Robin Dutt gelang nach dem Pokal-K.o. beim Drittligisten Unterhaching wenigstens ein halbwegs gelungenes Trainer-Debüt in der ersten Liga.
Auch die Augsburger fühlen sich im Oberhaus angekommen. "Es fehlen noch 39 Punkte. Aber was wir ab der 46. Minute gesehen haben, war absolut erste Liga. Das macht Mut, dass wir die Klasse halten", meinte Manager Andreas Rettig. "Andere Vereine haben nach dem ersten Spieltag null Punkte, da ist das schon in Ordnung", sagte Mölders, der zuvor in elf Bundesligaspielen für den MSV Duisburg ohne Tor geblieben war: "Erste Liga - da will jeder Fußballer hin."
Teamgeist, Moral, Kampfkraft - damit will und muss der Verein mit dem kleinsten Etat der Liga (30 Millionen) den Überlebenskampf bestehen. "Wir sind nicht von vorne herein das Dosenfutter, wie von manchen befürchtet", resümierte Axel Bellinghausen salopp.
Mit dem Vorjahresneunten Freiburg bewegte man sich auf "Augenhöhe", so Mölders. Er selbst gewann das Torjägerduell mit Cissé 2:1. Freiburgs Topstürmer aus dem Senegal, im Vorjahr mit 22 Toren die Nummer zwei hinter Mario Gomez (28 Tore), liebäugelt weiterhin mit einem Wechsel. Die Spur führt zum VfL Wolfsburg. "Die Leute, die arbeiten dran und reden miteinander", sagte Cissé vieldeutig. Er selbst habe noch nicht mit "Herrn Magath" geredet: "Man wird sehen." Augsburg dagegen hat in Mölders vielleicht schon den neuen Thurk gefunden.