"Jetzt wird finnisch gefeiert", versprach Stürmer Tuomo Ruutu nach dem furiosen 6:1 (0:0, 1:1, 5:0) gegen Schweden, "und jeder weiß, was das bedeutet." Allein in Helsinki waren nach Polizeischätzungen trotz nächtlicher Kälte mehrere zehntausend Menschen mit den blau-weißen finnischen Flaggen, Tröten und reichlich Alkohol unterwegs. Die Hauptstraße Mannerheimintie war bis zum frühen Montagmorgen verstopft. "Wir haben lange gewartet. Das ist großartig für alle Finnen", sagte Trainer Jukka Jalonen nach dem WM-Triumph gegen Erzrivale Schweden.
Seit 1995 hofften die Suomis auf ihren zweiten Titel, den sie sich nun gegen den nordischen Dauerkonkurrenten sicherten. "Das ist das Schönste im Leben", sagte Jungstar Mikael Granlund. Die Party sollte am späten Montagnachmittag in Helsinki weitergehen, wo nach der Rückkehr der Weltmeister-Mannschaft eine riesige Menschenmenge in der Innenstadt von Helsinki erwartet wurde.
Vor der Erlösung hatten die Finnen ihre Fans lange auf die Folter gespannt. Erst ein fulminantes Finish hievte die Jalonen-Truppe auf den Thron und zugleich in die Geschichtsbücher: Das 6:1 war der höchste Finalsieg in der Eishockey-WM-Geschichte. Zudem war die Zeit für Revanche gekommen, denn mit Ausnahme von 1995 hatte Finnland alle WM- und Olympia-Endspiele gegen Schweden verloren.
"Wir waren einfach sehr effizient", betonte der Coach - dabei bewies Finnland Moral: Nach dem Rückstand durch Magnus Pääjärvi (28. Minuten) sorgte Jarkko Immonen kurz vor der letzten Drittelpause für den Ausgleich. "Das 1:1 hat uns unglaublich viel Energie gegeben", erklärte Lani Jalunen. Am Ende fegten die Finnen mit Toren von Petteri Nokelainen (43.), Niko Kapanen (44.), Janne Pesonen (57.), Miko Pyörälä (58.) und Antti Pihlström (60.) über Schweden hinweg.
Angeführt von Ausnahmetalent Granlund, der im Halbfinale gegen Russland seine Sternstunde erlebte und das Tor des Jahres erzielte, steht das finnische Eishockey vor einer rosigen Zukunft. Kurios: Erstmals waren die Suomis komplett ohne einen Übriggebliebenen aus der 95er-Weltmeistertruppe angetreten. Das Kollektiv überzeugte. "Deswegen bin ich Teamsportler geworden", schwärmte Ruutu.
Schweden geht ebenfalls als Sieger aus dem Turnier, auch wenn Pär Marts immer mehr zum "ewigen Zweiten" wird. In seiner Karriere als Trainer verlor er schon sechs WM-Endspiele. "Ich weiß nicht, wie viele Silbermedaillen ich schon habe", sagte Marts, "es sind aber definitiv zu viele." Dennoch lobte er: "Ich bin stolz auf die Spieler. Das kann der Beginn von irgendetwas sein." Zugleich stachelte Marts seine Schützlinge ein Jahr vor der WM 2012, die Schweden zusammen mit Finnland organisiert, bereits wieder an: "Jetzt ist man erstmal traurig, und das ist gut so - denn es geht hier ums Gewinnen."
Motivation hatte der russische Coach Wjatscheslaw Bykow seinen Superstars bei dem Turnier offenkundig nicht genug mit auf den Weg gegeben. Nach dem 4:7 im Spiel um Bronze gegen Tschechien kritisierte der Trainer unter anderem NHL-Hoffnungsträger Alexander Owetschkin, der in der Slowakei komplett enttäuschte. "Ich bin mir nicht sicher, ob er selbst mit seinem Spiel zufrieden ist", meinte Bykow, bevor er zum ersten Mal in seiner Amtszeit ohne WM-Medaille nach Hause fuhr.